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Finde Deine Schreibroutine: Mit 9 praktischen Tipps (+ Test) zum Writer’s High

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Schreiben und Laufen haben was gemeinsam:

Sie kosten Überwindung. Sie sind hart. Aber nach einigen Kilometern schwebst Du im „Runner’s High“. Und auch das „Writer’s High“ mit seinen flowigen Glücksgefühlen erreichst Du zuverlässig.

Die Voraussetzung: eine entspannte Schreibroutine.

Test: Bist Du bereit für eine Schreibroutine?

Entwickle eine entspannte Schreibroutine: Ein Test und 9 Tipps aus der Praxis bringen Dich zum „Writer’s High“ – flowige Glücksgefühle garantiert! #indeinenworten

Um eine Gewohnheit im Alltag zu verankern, brauchst Du mehr als Deinen Körper, der Befehle umsetzt. Du brauchst auch Deinen Geist. Und der hat’s lieber, wenn Du ihn liebevoll mitnimmst statt überrumpelst.

Lass uns mal schauen, ob Dein Geist überhaupt bereit ist für eine Schreibroutine.

Dabei hilft uns das „Transtheoretische Modell“ der Wissenschaftler James O. Prochaska und seinen Kollegen. Es beschreibt die Stufen, die wir durchlaufen, um eine Gewohnheit zu etablieren.

Aufs regelmäßige Schreiben übertragen bedeutet das:

  1. Ich habe nicht vor, etwas in meinem Leben zu verändern.
  2. Ich denke darüber nach, regelmäßig zu schreiben.
  3. Ich bereite mich darauf vor, das Schreiben in mein Leben zu integrieren.
  4. Ich bin dabei, eine Schreibroutine zu etablieren.
  5. Ich schreibe regelmäßig.
  6. Mist, ich habe das Schreiben vernachlässigt.

Welche Aussage trifft eher auf Dich zu? Ich wette, es ist weder Nummer 1 noch 5.

Wie uns Schreibroutinen herausfordern (Stufe 6)

Der Beruf „Autor“ oder „Autorin“ fühlt sich schizophren an.

Einerseits werden Veröffentlichungen von Büchern und Artikeln gehypt. Andererseits ist das Schreiben bodenständig und unglamourös. Wir sitzen vor unseren Bildschirmen, nur wir und unsere Gedanken – und das ein oder andere Teufelchen, das über unsere Schultern linst. Tagein, tagaus.

Die Wirkung unserer Texte kriegen wir selten mit. (Oft frustriert mich das. Dich auch?)

Stoßen meine Texte Veränderungen an? Schaffen sie neue Perspektiven? Lösen sie höchstens Gleichgültigkeit aus?

Die Reaktionen unserer Leser*innen können wir weder gezielt planen noch nachvollziehen. Wir können sie auch nicht nutzen, um uns zum Schreiben zu motivieren.

Deshalb rate ich immer dazu: Lerne, das Schreiben (nicht das Ergebnis) zu lieben.

Regelmäßigkeit. Routine. Die Freude daran. Nur so trainieren wir jeden Tag. Nur so schreiben wir immer besser.

Warum Du eine Schreibroutine finden solltest

Entwickle eine entspannte Schreibroutine: Ein Test und 9 Tipps aus der Praxis bringen Dich zum „Writer’s High“ – flowige Glücksgefühle garantiert! #indeinenworten

Schreiben ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

Einen Marathon läufst Du nicht aus dem Stand. Selbst wenn Du gelegentlich zum Bus sprintest, wärst Du nicht vorbereitet. Effizient trainierst Du, indem Du regelmäßig kurze Strecken läufst und Dich langsam steigerst.

Einen aufwändigen Text schreibst Du selten aus dem Stand in fünf Stunden. Vielleicht klappt das ein, zwei Mal. Aber langfristig verbindest Du das Schreiben mit Quälerei. Viel entspannter wäre: Du schreibst regelmäßig in kürzeren Schreib-Einheiten und steigerst Dich langsam.

Das nenne ich eine gesunde Schreibroutine!

Um Dich nicht zu überfordern, schaust Du – wie die Marathonläuferin – nur auf den nächsten Schritt … äh … Textabschnitt.

Das hat viele Vorteile:

Und Liebesbriefe von Leser*innen? Sind gelegentliche Sahnehäubchen auf der täglichen Tasse Kaffee.

Entwickle Deine Schreibroutine: 9 Tipps fürs „Writer’s High“ (Stufen 2 bis 4)

Bist Du bereit, Dein Verhalten zu ändern? Bereit, Deine Schreibroutine zu finden?

Sehr gut. So geht’s:

1. Finde heraus, warum Du schreibst

Ein geflügelter Satz unter Autor*innen lautet: „I hate to write, but I love having written.“

OK, ich verstehe, dass Schreiben auch Arbeit ist. Aber ganz ehrlich: Wer das Schreiben hasst, sollte es lassen. Oder es lieben lernen.

Ein erster Schritt: der Blick aufs große Ganze. Warum schreibst Du? Was ist Deine Vision? Was möchtest Du mit Deinen Worten erreichen?

Die Antwort ist erst richtig, wenn der Gedanke daran angenehm prickelt in Deinem Bauchgefühl.

2. Entscheide, wie viel Du schreibst

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„Täglich schreiben“ ist viel zu vage. Woran machst Du das fest?

  • Wörter: Du schreibst täglich eine bestimmte Menge an Wörtern, zum Beispiel 100.
  • Zeit (meine Empfehlung): Du schreibst täglich eine bestimmte Anzahl an Minuten, zum Beispiel zehn.
  • Veröffentlichungen: Du zählst nur die Texte, die Du veröffentlichst, zum Beispiel zwei Blogartikel im Monat.

Wofür Du Dich auch entscheidest, starte klein. Tägliche Mini-Schreib-Einheiten sind besser als keine. Geh an den Schreibtisch, mach Deine Arbeit und keine große Sache draus. Sei ganz da, Du und Deine Worte, in diesem Moment. Stell es nicht infrage.

Steigere Dich, wenn Du bereit dafür bist.

3. Trenne das Schreiben von den anderen Schreib-Phasen

Wenn Du schreiben willst, schreib. Dazu gehört nicht: ein Konzept für den Text entwerfen, recherchieren, überarbeiten.

Sonst passiert schnell sowas:

  • Du willst schreiben und merkst: „Ups! Ich weiß nicht genug für diesen Text.“ Also musst Du erst recherchieren – und eine Schreib-Einheit ist vertan. Tipp: Plane das Schreiben in Deinen Kalender ein. Bereite zu einem früheren Zeitpunkt alles dafür vor.
  • Du blockierst Dich, weil der Text sofort perfekt werden muss. Tipp: Plane das Überarbeiten als eigenständigen Schritt ein. So kannst Du die innere Kritikerin beim Schreiben besänftigen: „Keine Sorge, das wird so nicht veröffentlicht. Ich tobe mich erstmal nur aus.“

4. Entscheide, wann und wo Du schreibst

Es ist schon Abend, und Du hast wieder nicht geschrieben? Könnte sein, dass Du planen solltest 🙂

Besser noch: Verankere Deine Schreib-Zeit mit einer bereits bestehenden Gewohnheit. Zum Beispiel: nach dem Zähneputzen, mit dem ersten Kaffee (so mache ich es), wenn Du vom Gassigehen zurückkommst, nach Feierabend.

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Und wenn Du richtig motiviert bist: Wie wäre es mit einem Ritual rund ums Schreiben? Es muss nicht aufwändig sein. Zünde eine Kerze an, leg Dir Dein Lieblingstuch um die Schultern oder bereite Dir einen leckeren Tee zu.

Es kann auch helfen, Dir einen bestimmten Ort in Deinem Büro oder in Deiner Wohnung nur fürs Schreiben zu reservieren. Wähle einen, an dem Du Dich wohlfühlst und in bequemer Haltung schreiben kannst.

Experimentier ein bisschen rum. Du darfst das Schreiben lieben!

5. Gönn Dir Zeit zum Üben

Nicht jeder Text muss wundervollst perfekt sein.

Wenn Du den Druck komplett rausnehmen willst, plane Zeit zum Üben ein. Zum Beispiel für die Morgenseiten von Julia Cameron. Oder für Schreib-Übungen, die Du am Feierabend machst, um auf andere Gedanken zu kommen.

Diese Texte mögen Dir sinnlos erscheinen, trainieren aber Deinen Schreibmuskel. Mit der Zeit fällt es Dir leichter, einfach anzufangen. Und zwar ohne, dass die innere Kritikerin dazwischenpfuscht.

6. Belohne Dich

Du kannst Dir natürlich für jede Schreib-Einheit eine Tafel Schokolade reinpfeifen. Du kannst es aber auch wie Comedien und Multimillionär Jerry Seinfeld halten.

Seinfeld riet einmal einem jüngeren Kollegen, einen Jahreskalender an die Wand zu hängen. Jeden Tag, an dem er einen Gag schrieb, solle er mit einem dicken Kreuz markieren. Mit der Zeit entsteht eine Kette. Your only job? Natürlich, die Kette nicht zu durchbrechen.

Auch das kann eine Belohnung sein: Visuell festzuhalten, dass Du Deinen Job als Schreibende*r erledigst. Vielleicht machst Du kein Kreuz, sondern klebst Katzensticker oder malst Herzchen auf den Kalender. Du entscheidest.

Das Beste an der Methode: Es geht nicht um Ergebnisse, sondern darum, dranzubleiben. Das ist das einzig Wichtige.

7. Sei freundlich zu Dir

Entwickle eine entspannte Schreibroutine: Ein Test und 9 Tipps aus der Praxis bringen Dich zum „Writer’s High“ – flowige Glücksgefühle garantiert! #indeinenworten

Nicht zu schreiben ist kein Drama. Das Drama entsteht erst, wenn Du denkst: „Jetzt ist es auch egal.“ Und wieder einen Tag verstreichen lässt.

Nein, es ist nicht egal.

Du hast einen Tag verpasst? Am nächsten Tag geht’s weiter.

8. Schreib in Gesellschaft

Verabrede Dich regelmäßig zum Schreiben, zum Beispiel mit lieben Kolleg*innen. So wird aus „oh man, ich sollte doch“ ein „ich will sie nicht hängen lassen“.

Auch möglich: Tritt einer Schreib-Community bei. Denn zusammen schreibt sich’s öfter.

9. Lass Dich von mir im Kurs unterstützen

In meinem Kurs Der Schreib-Code. Schneller zu Business-Texten in Deiner Schreibstimme zeige ich Dir eine wirksame Schreibroutine.

Schon während des Kurses veröffentlichst Du einen Text, der nach Dir klingt. Und, ganz wichtig: einen, den Du mit Freude geschrieben hast.

Nach dem Kurs hast Du eine Schreibroutine etabliert, die Du wirklich liebst.

Von der Schreibblockade zur Schreibroutine (ewige Stufe 2)

Entwickle eine entspannte Schreibroutine: Ein Test und 9 Tipps aus der Praxis bringen Dich zum „Writer’s High“ – flowige Glücksgefühle garantiert! #indeinenworten

Was, wenn Du in Stufe 2 stecken bleibst und nie losläufst? Wenn Du Dich ständig darauf „vorbereitest“, das Schreiben zur Gewohnheit zu machen?

Den wenigsten Menschen fehlt die Zeit für Dinge, an denen ihr Herz hängt. Es ist paradoxer: Oft meiden wir genau das, was wir am liebsten tun würden. Als wollten wir uns bestrafen. Oder es uns nicht „gönnen“.

Deshalb wird kein Social Media-Verbot helfen, mehr Zeit fürs Schreiben zu „bekommen“.

Wenn Du regelmäßig schreiben möchtest, spür in Dich hinein:

  • Warum „darfst“ Du noch nicht schreiben?
  • Was genau säuselt Dir diese fiese Stimme an Selbstzweifeln zu?
  • Schaffst Du es, sie leiser zu drehen und einer anderen, motivierenden Stimme zu lauschen?

Um Deine Schreibblockade zu lösen, lies auch gerne hier rein:
Dein Guide durch die Schreibblockade: 25 Ursachen und gezielte Lösungen für den Schreibflow

Denk dran: Du kannst nicht jeden Tag die brillanteste Version Deiner selbst sein. Aber Du stehst sowieso jeden Tag in den Startlöchern. Die Frage ist nur, in welchen.

Jetzt bist Du dran: Welchen Tipp setzt Du heute noch um?

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Kommentare

10 Kommentare

  1. Danke für die Tipps – ich werde versuchen, Nr. 2 und 6 zu kombinieren. Außerdem will ich mir eine Struktur erschaffen, um meine Texte auch wiederzufinden, wenn ich etwas schreibe, das ich nicht direkt verwenden kann/will.

    Antworten
    • Guter Punkt, liebe Anita. Ein Themenspeicher ist super wichtig – auch, um Ideen zu sammeln.
      Viel Freude und Erfolg bei allem 🙂
      Liebe Grüße
      Anke

      Antworten
  2. Liebe Anke, ich habe Freitags meinen festen Schreibtag. Das hilft mir sehr am Ball zu bleiben. Der Redaktionsplan gibt das Thema vor. So schreibt sich der Text fast von selbst Viele Grüße Miriam

    Antworten
    • Vielen Dank für den Einblick in Deine Schreibroutine, liebe Miriam. Freu mich total, dass sie so gut funktioniert!

      Antworten
  3. Liebe Anke,

    Herzlichen Dank für diesen sehr motivierenden Beitrag! Ohne deine Tipps würde das Teufelchen auf meiner Schulter mit seiner ständigen Meckerei und den Zweifeln viel mehr Gewicht bekommen. Wenn ich deine Newsletter und Blogartikel lese verdrückt sich die Meckerstimme schnell in den Hintergrund und gewinne ich Mut und Selbstvertrauen zum Schreiben. Dann will ich immer gleich Loslegen.

    Vielen Dank, liebe Anke, ich würde mich ohne die Lektüre deiner Artikel im Land der Schreibblockaden und Schreibzweifel ganz schön verloren fühlen!

    Viele liebe Grüße
    Karin

    Antworten
    • Liebe Karin,
      vielen, vielen Dank für diese wunderschöne Rückmeldung, hach. Es wäre so schade, wenn Du uns Deine Texte vorenthalten würdest, also schreib unbedingt weiter! Das Teufelchen kann Dich mal 🙂
      Liebste Grüße
      Anke

      Antworten
  4. Liebe Anke, sehr hilfreich deine Tipps! Vielen Dank. Es macht echt richtig Spaß, die Texte zu lesen und davon zu profitieren. Ich schreibe schon recht lange, lerne aber trotzdem dadurch dazu :-), herzliche Grüße, Ariane

    Antworten
    • Vielen Dank, liebe Ariane! Es freut mich total, dass die Blogartikel auch Dir als „alte Häsin“ weiterhelfen und (noch mehr) Spaß in Dein Schreiben bringen 🙂
      Liebste Grüße
      Anke

      Antworten
  5. Liebe Anke,

    genau das ist oft mein Problem.
    Schreibe noch nicht so lange und es fällt mir oft noch schwer mir zu sagen „ich schreibe jetzt“ und sitze dann vor dem berühmten leeren Blatt Papier.

    Es ist beruhigend zu wissen, dass das dazu gehört und das auch das Schreiben ein Prozess ist.
    Es gelingt mir immer öfter, regelmäßig zu schreiben und dran zu bleiben.

    Dein Blog ist sehr motivierend und ich bin öfter hier, um mich aufzubauen!

    Mach weiter so!

    Herzliche Grüße
    Julia

    Antworten
    • Liebe Julia,
      1000 Dank für Dein Kompliment und herzlich willkommen unter den Schreibenden! Ganz wichtig ist, dass Du nett zu Dir bist, wenn Du mal aus dem Takt kommst. Nicht schlimm, passsiert. Morgen schreibst Du wieder.
      Ich freu mich sehr, Dich hier dabei zu wissen 🙂
      Alles Liebe
      Anke

      Antworten

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