Der wahre Grund, warum Du keine Zeit zum Schreiben hast

14/10/2019 | Produktiv schreiben, Schreibblockade lösen

„Ob Du schreibst oder nicht ist eine Frage der Priorität.“ Ja klar. Aber wie setzen wir *Die Priorität*, wenn wir mitten im Stress stecken und nur noch eine Aufgabe nach der anderen abhaken? Ich verrate Dir was: Zeit zum Schreiben zu finden hat nichts mit Zeitmanagement oder einem neuen Produktivitätstool zu tun.

Wie findest Du Zeit zum Schreiben? Nicht mit besserem Zeitmanagement oder einem neuen Produktivitätstool. Hier erfährst Du, was Du stattdessen brauchst. #indeinenworten

„Ich werde ein tiefes Weltengeheimnis ergründen und anderen Menschen um Lichtjahre voraus sein“, dachte ich damals. Ich war 19 und wollte zum ersten Mal (für ganze zehn Minuten) meditieren. Ich dachte, wenn ich *Diese Meditation* ausprobiere, erlange ich eine Art Superkraft. Das Ergebnis war bescheiden: Mir war bloß langweilig.

Ich bin drangeblieben. Ich habe zwar nicht immer regelmäßig meditiert, aber unregelmäßig ist besser als nichts. Was ich sicher weiß: Wenn man nicht den Anspruch hat, mit 36 noch Primaballerina zu werden, ist Meditation eine der schwersten Aufgaben, die man sich auferlegen kann.

Keine Angst: Ich schreibe kein Plädoyer für den Buddhismus. Worauf ich hinaus will:

An schlechten Tagen fühlt sich Meditation an, als müsse sich mein Geist radikal verteidigen. Und vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal – oder wieder neu? – verstanden, was das fürs Leben und Schreiben bedeutet.

Was hinter dem Zeitmangel steckt

Unser Alltag ist knallvoll. Dazu hört unser Geist (meiner zumindest) ständig irgendwelchen Schallplatten zu. Was es noch nerviger macht: Sie alle haben einen Sprung. (Sorry für diese Metapher aus dem 20. Jahrhundert, aber sie ist einfach – im Gegensatz zu Musikstreams – perfekt.)

Es gibt da einen automatischen Plattenspieler, der selbstständig eine Platte seiner Wahl auflegt. Meiner hat meist drei bis vier Platten zur Auswahl: Da geht’s um aktuelle Schreibaufträge, diesen Blog oder was ich zu Freundin T. sagen werde, wenn sie mich nach Freundin B. fragt. Das Prozedere läuft meist so ab: Die Platte beginnt zu spielen, ich lasse mich einlullen. Sie packt mich, saugt Kraft aus mir und schleudert mich zum Dank durch eine Gedankenspirale mit tausend Kurven.

Diese Schallplatten erzählen meinem Geist *Die Wahrheit*.

Aber diese fremdgesteuerten Gedankenspiralen sind keine Wahrheit. Sie sind auch nicht das wahre Selbst / die Intuition (oder wie immer Du es nennen möchtest). Vom Hören auf die Intuition bekommt unser Geist keine Schleudertraumata. Wenn wir auf die Intuition hören, ist er ruhig. Wir haben dann das Gefühl, im Einklang mit uns selbst das Richtige am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu tun.

Wenn Dein Geist ruhig ist, tust Du das Richtige.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, deren Geist im Default-Modus entspannt ist. Oft fühlt es sich an, als müsste ich mir diese Ruhe erkämpfen. Sie verteidigen vor den Schallplatten. Mich immer wieder bewusst für die Gegenwart entscheiden.

Wann es mir leicht fällt? Wenn ich reise. Dann ist mein Geist von alleine präsent. Gedankenspiralen haben keine Chance. Ich fühle mich vollkommen im Einklang mit mir, meiner Tätigkeit und der Welt.

In dieser Gegenwart öffnet sich ein Raum. Das ist derselbe Raum, den ich an guten Tagen durch Meditation betrete. Und es ist derselbe Raum, den ich fürs Schreiben brauche.

Wenn Du keine Zeit zum Schreiben hast, überlege zuerst, wie Du einen Raum fürs Schreiben erschaffen kannst

Du brauchst keine Zeit zum Schreiben. Du brauchst geistigen Raum zum Schreiben. Einen, in dem keine nervigen Schallplatten gespielt werden, die Dich in Gedankenspiralen verwickeln.

Dir diesen geistigen Raum zu erlauben, kannst Du üben: Welche Tätigkeit hilft Dir, den Raum zu betreten? Das müssen weder die Meditation noch das Reisen sein. Vielleicht bist Du beim Joggen oder beim Tanzen voll da. Vielleicht erfährt Dein Geist Ruhe, wenn Du die Buchhaltung machst oder Dein Kind beim Spielen beobachtest.

Gehe auf die Suche nach diesem Raum in der Gegenwart, frei von Gedankenspiralen. Probiere aus, wie Du ihn betreten (und verteidigen) kannst und was Du für den Eintritt brauchst. Beobachte Dich dabei. Erkenne, dass Du die Macht hast, die kaputten Platten vom Plattenspieler zu schleudern. Zumindest für ein, zwei Stunden.

Und dann mach es genauso beim Schreiben. Erlaube Dir, diesen Raum zu betreten und darin zu schreiben.

Das Beste daran: Die Zeit, die Du fürs Schreiben in diesem geistigen Raum brauchst – und für andere Aufgaben „verlierst“ – wird Dir Kraft für alles Weitere geben.

Und jetzt Du: Geht es nur mir so, oder kennst auch Du den Raum, von dem ich hier schreibe? Verrate es mir in den Kommentaren.

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Kommentare

4 Comments

  1. Ich glaube, du hast recht. Ich werde noch einmal darüber nachdenken. Aber nein, ich weiß es eigentlich: Du hast recht – genau das ist es: mir zu erlauben, nicht erreichbar zu sein. Herzlichen Dank für den Augenöffner.

    Reply
    • Juhu, sehr gerne! Dann hat sich der Blogpost auf jeden Fall gelohnt 🙂

      Reply
  2. Hallo Anke, danke für deinen interessanten Beitrag, du hast das wirklich sehr gut beschrieben. Ich finde diesen geistigen Raum nämlich auch beim Wandern, Radfahren, Schwimmen und Roadtrippen. Vor allem, wenn ich alleine bin.
    Deine Aufforderung “Und dann mach es genauso beim Schreiben” klingt einfach, ist es für mich aber nicht; obwohl ich genau weiß: wenn ich mich zum Schreiben aufraffe, vergehen die Stunden wie im Flug und ich spüre weder Hunger noch Durst noch Müdigkeit.

    Reply
    • Danke, liebe Anja, dass Du Deine Erfahrungen hier teilst.
      Ich habe für mich auch noch nicht zu 100% herausgefunden, wie ich es “genauso beim Schreiben” mache. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es damit zu tun hat, “mir zu erlauben”, nicht erreichbar zu sein und mich nur auf diese eine Sache zu konzentrieren.

      Reply

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