Dein Guide durch die Schreibblockade: 25 Ursachen und gezielte Lösungen für den Schreibflow

Schreibblockade lösen

In Deinem Luftschloss steht eine komplette Bibliothek. Texte und ganze Bücher hast Du geschrieben: zum Weltverbessern, voller kluger Gedanken, elegant formuliert, herrlich witzig – und leider nur in Deinem Kopf.

Auch, wenn es paradox klingt: Ich als Autorin weiß genau, wie sich das anfühlt.

Schreibblockaden fliehen nicht vor Berufserfahrung. Frust für alle!

Was aber inzwischen klappt: Ich erkenne schnell die Ursache für die Blockade. Und sobald ich die identifiziert habe, kann ich sie gezielt lösen.

Willst Du auch? Dann bist Du bei meinen Tipps gegen die Schreibblockade richtig.

Übersicht

Was ist eine Schreibblockade?

Welche Schreibblockade hast Du? Ob Mindset, Schreib-Routine oder Text-Probleme: Hier findest Du für jede Ursache die passende Lösung (und die beste Übung). #indeinenworten

Eigentlich ist es ganz einfach, und doch so schwer:

Du willst schreiben, machst es aber nicht. Obwohl Du theoretisch willst. Obwohl Du Papier und Stift, einen Laptop oder ein Smartphone und gaaaanz viele Ideen hast.

Glückwunsch, Du hast eine Schreibblockade.

Was kannst Du gegen die Schreibblockade tun?

Du hast nun zwei Möglichkeiten:

Die romantische Möglichkeit 1: Du wartest auf Inspiration „von oben“. Und wartest.

Eine Schreibblockade ist aber keine Erkältung. Du kannst Dich nicht ins Bett legen und sie auskurieren. Denn sie ist hartnäckig. Oft bleibt sie Wochen, in vielen Fällen ein ganzes Leben. Und mit dem Menschenleben stirbt dann auch die Bibliothek im Luftschloss, die niemals jemand lesen wird.

Bevor’s zu dramatisch wird, schauen wir auf …

die pragmatische Möglichkeit 2: Du holst Dir die Kontrolle zurück.

Um eine Schreibblockade zu überwinden, setzen die meisten Menschen beim Symptom an. Für Dich wünsche ich mir aber, dass Du die Ursache identifizierst. Nur so kommst Du langfristig in den Schreibflow.

Und so geht’s:

  1. Atme erstmal langsam ein und aus.
  2. Überlege, wo Du die Blockade verorten würdest: Stimmen die Rahmenbedingungen fürs Schreiben nicht? Hast Du Angst? Bist Du nicht mit dem Handwerk des Schreibens vertraut?
  3. Für jede dieser Fragen zeigt Dir die Übersicht einen Abschnitt mit mehreren Lösungen: „Rahmenbedingungen“, „Mindset“ oder „Schreibfluss“ und „Text“.
  4. Lies die Zwischen-Überschriften. Jede steht für eine mögliche Ursache. Welche resoniert mit Dir? Wie könnte Deine Schreibblockade entstanden sein?
  5. Wende die Lösung an, die ich Dir empfehle.

Es kann durchaus sein, dass eine einzige Ursache Deinen gesamten Schreibprozess blockiert. Es lohnt sich also, ihr auf die Spur zu kommen.

Wenn’s aber grad schnell gehen muss, spring direkt über die Übersicht zum Quick-Fix. Da stelle ich Dir die beste Übung gegen die Schreibblockade vor.

Los geht’s!

Stimmen die Rahmenbedingungen? 3 wesentliche Ursachen für die Schreibblockade

Schreibblockaden müssen nicht immer wahnsinnig existenziell sein.

Wenn drei Voraussetzungen nicht gegeben sind, brauchst Du Dich gar nicht erst in umfassende Analysen zu stürzen.

#1: Schreiben macht Dir keinen Spaß

Schreibst Du gerne?

Es gibt tatsächlich Menschen, die es ungern tun.

Wenn Du dazu gehörst, ändere Deine Content Marketing-Strategie. Nimm Podcasts auf oder produziere Videos.

Lass Dich aber nicht entmutigen, wenn Du nicht sofort virale Posts oder Bestseller-Bücher veröffentlichst. Schreiben kann frustrieren (Blockaden sind das beste Beispiel dafür). Aber es ist ein Handwerk. Je besser Du es beherrschst, desto mehr Freude macht es.

Schau mal, was Du jetzt schon am Schreiben lieben kannst.

Ich zum Beispiel bin immer wieder fasziniert davon, wie ein runder Text entsteht. Ich liebe es, wenn sich auf einmal alles fügt. Wie Erfahrung, Geistesblitze und meine Lebenssituation dazu beitragen. Wenn die Erkenntnis vielleicht sogar beim Schreiben kommt, dazu ein kohärentes Bild, eine passende Metapher, die richtigen Worte. Ich liebe es, wenn mir Leser*innen schreiben, weil ihnen mein Text weiter geholfen hat.

Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich schreiben kann (und damit sogar meinen Lebensunterhalt verdiene).

Und Du? Was liebst Du am Schreiben?

Deine Lösung: Schreiben macht Freude. Wenn nicht, such nach dem Grund. Finde heraus, wie Du das Schreiben (noch mehr) lieben kannst. Du könntest Dir interessantere Themen vornehmen, Dich im Schreib-Handwerk weiterbilden oder eine tolle Schreibgruppe gründen.

#2: Deinem Körper geht es nicht gut

Stundenlang am Rechner zu sitzen ist für Deinen Körper total anstrengend. (Du weißt schon: Sitzen ist das neue Rauchen.)

Sorge gut für ihn.

Was braucht Dein Körper?

  • Eine bessere Sitzgelegenheit? Kauf Dir einen neuen Stuhl oder bau Dir eine bequeme Kissenhochburg. Schreib auch mal im Stehen.
  • Visuelle Inspiration? Richte Dir eine schöne Schreibecke ein. Häng ein fantastisches Bild auf.
  • Stille oder Hintergrundgeräusche? Kauf Dir Ohropax, vermeide Ablenkungen. Geh ins Café oder in die Bibliothek (wenn es die Bedingungen erlauben).
  • Machst Du regelmäßig Pausen? Beweg Deinen Körper, mach Sport, geh spazieren.

Deine Lösung: Überlege, wie Du (noch) bessere Rahmenbedingungen für Deinen schreibenden Körper schaffen kannst.

#3: Du hast keinen Raum fürs Schreiben

Es ist absolut möglich, regelmäßig zu schreiben – auch, wenn Du viel zu tun hast.

Wenn Du aber trotz Zeit (zehn Minuten reichen) nicht schreibst – hast Du vielleicht keinen Raum dazu. Und damit meine ich nicht den Schreibtisch, der im Wohnzimmer statt im persönlichen Büro steht.

Ich meine geistigen Raum.

Schreiben hat so viel mit uns und unserer Persönlichkeit zu tun. So viel damit, welche Gedanken in unserem Kopf rumkreisen. Welche uns mit sich ziehen und welche wir stoppen können.

Deine Lösung: Finde Möglichkeiten, um Deine Gedankenspiralen zu unterbrechen. Schreib an guten Tagen. Schreib, wenn Du fit bist oder nachdem Du zu Deinem Lieblings-Gute-Laune-Lied getanzt hast. Sei freundlich zu Dir selbst. Verzeih Dir Fehler und längere Blockaden.

Die Schreibblockade im Kopf: 9 Hacks für Dein Mindset

#4: Du hattest eine schlechte Note in Deutsch

Deutsch war eines meiner Lieblingsfächer. Aber selten schaffte ich es auf eine 2. Unter meinen Arbeiten stand meistens „nicht strukturiert genug“.

Ich bin trotzdem Autorin geworden. Und zwar nicht, weil ich mir nochmal meine Deutschunterlagen durchgelesen hätte.

Ich habe andere Schreib-Strategien kennengelernt.

Genau diese Strategien bringe ich meinen Kund*innen im Coaching bei. Immer wieder sind sie überrascht, dass sie „ja doch“ schreiben können, obwohl ihre Deutscharbeiten knallrot angestrichen waren. Plötzlich schreiben sie lebendige Texte, die gerne gelesen werden.

Wie gut, dass ich seltener an mir als am Schulsystem gezweifelt habe.

Du warst in der Schule schlecht in Deutsch? Das ist egal. Mehr noch: Es ist vielleicht sogar gut. Denn in der Schule lernen wir nicht, in unserer Schreibstimme zu schreiben. Wir lernen, innerhalb von Schablonen „korrekt“ zu schreiben.

Deine Lösung: Verletzungen aus der Kindheit fräsen sich oft tief in uns ein. Es braucht Zeit, um sich davon zu emanzipieren. Gib dem Schreiben eine zweite Chance und erlaube Dir, es neu zu denken. Du darfst genüsslich verlernen, was Du eingetrichtert bekommen hast, und Dir und Deinen Fähigkeiten vertrauen.
Welche Schreibblockade hast Du? Ob Mindset, Schreib-Routine oder Text-Probleme: Hier findest Du für jede Ursache die passende Lösung (und die beste Übung). #indeinenworten

#5: Deine innere Kritikerin ist extrem hart

Die innere Kritikerin nenne ich auch PR-Ich.

Das PR-Ich liebt es, sich perfekt zu inszenieren. Was es alles kann, was es alles weiß!

Ich weiß, ist gut gemeint. Ihm ist wichtig, dass ich mich nicht blamiere.

Aber seine Strategien sind doch arg fragwürdig: Selbstzweifel. Stellt meine Kompetenz infrage. Naja.

Das Ziel von guten Texten ist keine PR-Show (die können wir Solopreneure gerne den großen Unternehmen überlassen). Ziele von Blogartikeln und Newslettern, aber auch von Sachbüchern sind:

  1. Weiterhelfen.
  2. Kontakt zur Zielperson.

Deshalb müssen unsere Texte menscheln.

Deine Lösung: Das PR-Ich kann Dir helfen, unter zwei Voraussetzungen: Du lässt es nicht zu mächtig werden. Du ziehst es nur hinzu, wenn Du Deinen Text zum letzten Mal überarbeitest. Schließlich brauchst Du nicht mit Deinen intimsten Gedanken nach draußen gehen, um als Person sichtbar zu sein.

#6: Du weißt nicht, was Du eigentlich sagen willst

„Wie soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage?“

Das sagte wohl die Schauspielerin Grethe Weiser. (Inzwischen gibt es auch ein Buch mit einem ähnlichen Titel. Bei der Recherche wollte ich mich aber nicht weiter aufhalten.) Wichtig ist hier:

Mir geht es auch so, aber in Bezug aufs Schreiben. Während ich schreibe, reflektiere ich mein Thema.

Andere Menschen durchdenken ihr Thema und schreiben dann.

Zu welcher Gruppe gehörst Du?

Deine Lösung: Finde heraus, was Du sagen willst – nachdenkend und / oder schreibend. Dann erst setzt Du Dich an Deinen Text.
Welche Schreibblockade hast Du? Ob Mindset, Schreib-Routine oder Text-Probleme: Hier findest Du für jede Ursache die passende Lösung (und die beste Übung). #indeinenworten

#7: Du recherchierst und planst zu viel

Natürlich ist es wichtig zu wissen, worüber wir schreiben. Aber wichtiger ist, zu wissen, dass wir wissen.

Und zwar in zweierlei Hinsicht:

1. Recherchieren: Es gibt Menschen, die recherchieren bis zum Umfallen – nur um festzustellen, dass sie noch keine einzige Zeile geschrieben haben.

Ich weiß es, denn ich bin eine von ihnen.

In einer Fortbildung nannte ich das Phänomen mal: „Ein Elefant gebiert eine Maus.“ Als ich das aussprach, liefen mir die Tränen runter, weil ich so frustriert war.

Du schreibst vermutlich keine Doktorarbeit. Da wäre es sinnvoll, zuerst alles zu lesen, was andere bereits übers Thema zu sagen hatten. (Aber selbst dann … ← OK, ich schweife ab.)

In allen anderen Fällen steht Deine Expertise im Vordergrund. Deine Meinung. Deine Haltung. Genau deshalb wird Dein Text gelesen.

2. Weiterbilden: Ich liebe es, zu lernen. Zu meinen „Hochzeiten“ trieb ich es sogar so weit, dass ich ständig plante, was ich noch lernen wollte.

Kaum überraschend, dass ich in diesen Zeiten wenig schrieb.

Wahllos Fortbildungen zu machen, „weil alles so interessant ist“ führt dazu, dass wir nicht schreiben.

Schreiben lernst Du am besten durch schreiben.

Deine Lösung: Fang an, Dir selbst zu vertrauen. Schreib erstmal auf, was Du weißt. Dann kannst Du immer noch zehn Stunden recherchieren. Aber wahrscheinlich brauchst Du dann nur noch eine.

#8: Du hast Angst vorm (schlechten) Schreiben oder der Text soll „besonders gut“ werden

Diese Schreibblockade kann auch entstehen, wenn Du gerade einen viralen Blogartikel oder ein erfolgreiches Buch veröffentlicht hast. Schließlich sind nun die Erwartungen hoch – auch diejenigen, die Du an Dich selbst stellst.

Zuerst die schlechte Nachricht: Um gut zu schreiben, musst Du zuerst schlecht schreiben.

Die gute Nachricht: Wenn Du Dir erlaubst, „schlecht“ zu schreiben, schreibst Du. Und wirst besser.

Deine Lösung: Erlaube Dir, schlecht zu schreiben. Du kannst Dich dabei auch selbst austricksen. Sag Dir: „Ich mach nur Stichpunkte.“ Bäm. Schlaf ne Nacht drüber. Am nächsten Tag überarbeitest Du – was oft einfacher ist, als kalt zu starten. Oder Du schreibst erstmal etwas anderes. Die spannendsten Texte entstehen oft durch „produktive Prokastination“. Vergiss aber nicht, Dich wieder an den eigentlichen Text zu setzen.

#9: Du hast Angst vorm Veröffentlichen und vor Kritik

Wenn wir Texte veröffentlichen, machen wir uns angreifbar. Und das macht Angst.

Bevor ich diesen Blog gestartet habe, bin ich monatelang um die ersten Artikel geschlichen. Ich hatte Angst vor Feedback. Und was ist passiert, als ich endlich veröffentlichte?

Nichts.

Dann hatte ich Angst davor, dass ich kein Feedback kriegen würde 🙂

Wenn Du nicht grade gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass oder Frauenfeindlichkeit anschreibst (ein Hoch auf alle, die das tun!), bist Du relativ safe vor Beleidigungen.

Es ist viel wahrscheinlicher, dass Deine Texte überhaupt nicht wahrgenommen werden.

Deine Lösung: Vielleicht beruhigt Dich meine Argumentation nicht. Vielleicht würdest Du gerne sofort auf der großen Bühne stehen. Aber sieh diese ersten Veröffentlichungen an als das, was sie sind: Erste Gehversuche im WWW. Lern, so viel Du kannst. Dann bist Du bestens vorbereitet, wenn sich der Scheinwerfer auf Deine Texte richtet.

#10: Du gibst zu früh auf

Du hast einen Text geschrieben, aber der ist irgendwie Murks. Was tun, löschen oder weiter dran rumbasteln?

Um das zu entscheiden, brauchst Du einen Perspektiv-Wechsel. So könntest Du die „Überarbeitungs-Blockade“ angehen:

  • Du lässt den Text eine Nacht liegen oder gehst eine Stunde spazieren.
  • Du veränderst das Medium und druckst den Text aus.
  • Du änderst die Schrift (Word hat da besonders „kreative“ am Start).
  • Du wechselst den Ort – schnappst Dir Deinen Laptop und gehst in die Bibliothek, in ein Café oder wenigstens in einen anderen Raum.

In der Regel hapert es an der Struktur. Setz Deine Analysten-Brille auf und prüfe, ob Dein Text die fünf wichtigsten Kriterien erfüllt.

Schaffst Du es, Dich zur Veröffentlichung durchzubeißen?

Deine Lösung: Entscheide Dich für eine neue Perspektive und überprüfe die Struktur Deines Textes.

#11: Du denkst, Deine Zweifel sind nicht normal

Manchmal blockieren wir uns, weil wir blockiert sind.

Du bist so sauer, dass kein toller Text entsteht oder Dein Buch nicht endlich verdammtnochmal fertig wird, dass Du weitere Blockaden einlädst.

Merkste selber, ist nicht hilfreich.

Alle Schreibende zweifeln. Wir zweifeln an uns, an unseren Fähigkeiten, daran, ob wir überhaupt was zu sagen haben. Diejenigen, die trotzdem weitermachen, werden gelesen.

Deine Lösung: Mach Dir bewusst, dass Schreiben auch anstrengend ist. Das bedeutet aber nicht, dass Du es falsch machst. Akzeptiere die Blockade. Sag ihr freundlich „Guten Tag“. Und informiere Dich ganz pragmatisch, welches Mindset Du für Bücher-Schreiben brauchst.
Welche Schreibblockade hast Du? Ob Mindset, Schreib-Routine oder Text-Probleme: Hier findest Du für jede Ursache die passende Lösung (und die beste Übung). #indeinenworten

#12: Dein Schreib-Projekt inspiriert Dich nicht – oder es überfordert Dich

Nicht alle Schreib-Projekte sind „unser Ding“. Wir müssen auch nicht jede Herausforderung annehmen.

Wenn Dir ein Schreib-Projekt wirklich nicht zusagt, hast Du Handlungsspielraum:

  • Lass es sein. Vielleicht kommst Du später drauf zurück.
  • Ändere die Bedingungen: Mach’s kürzer, länger oder veröffentliche es in einem anderen Medium.
  • Finde einen Aufhänger, der besser zu Dir passt.
  • Spür in Dich hinein, welche Haltung Du vertrittst (vielleicht ist es nicht diejenige, die „gewünscht wird“, auch das blockiert).

Deine Lösung: Erinnere Dich daran, warum Du das Schreib-Projekt ursprünglich angefangen hast. Wenn es Dir immer noch nicht zusagt, setz einen meiner Vorschläge um.

Die Schreibblockade im Schreibprozess: 7 Lösungen für den Schreibfluss

#13: Dein Text soll an einem Tag fertig sein

„Morgen schreibe ich endlich diesen langen Blogpost.“

Das klingt fast schon wie eine Strafe 🙂

Wie wär’s, wenn Du den Schreib-Prozess aufteilst?

Plane die Phasen des Schreibens in Deinen Kalender ein, statt acht Stunden am Stück im Kalender zu blocken.

Mit der Zeit verinnerlichst Du die Reihenfolge und Du nutzt Deine Schreibzeiten produktiver.

Deine Lösung: Plane die unterschiedlichen Schreibphasen für unterschiedliche Tage ein. Dein Unterbewusstsein trägt so dazu bei, dass Dein Text reift.

#14: Du hast keinen Plan für Buch-Projekt oder Blog

Ich habe die Metapher schon einmal verwendet, aber sie ist so, so treffend:

Ein Buch zu schreiben fühlt sich an, als müsstest Du den Rasen eines Fußballstadions kürzen. Aber Halm für Halm. Mit einer Nagelschere.

Das kann uns so überwältigen, dass wir gar nicht erst anfangen. Hilfreich ist da, einen Plan zu haben. Zu wissen, wann was dran ist.

So haben wir Erfolgserlebnisse.

Deine Lösung: Behandle das Buchschreiben wie ein Projekt. Von der Deadline rechnest Du runter, wie viel Zeit Du für welche Phase hast. Beim Bloggen hilft Dir ein Redaktionsplan, Themen aufeinander abzustimmen und Deine Inhalte gezielt zu veröffentlichen.

#15: Du hast keine Ideen oder Inspiration (mehr)

Manchmal fühlen wir uns wie ausgetrocknet.

Oft liegt es daran, dass wir immer wieder dasselbe tun. Unsere tägliche Routine durchziehen. Dieselben Fachzeitschriften lesen. Und wenn dann auch noch Corona unser Leben durchwirbelt, fehlen uns plötzlich die Reize von außen. Genau die Eindrücke, die uns und unsere Texte bereichern.

Doch gute Texte entstehen, indem wir Bezüge zu anderen Themen finden.

  • Sobald es möglich ist: Geh ins Museum, fahr raus in die Natur, triff Dich mit Bekannten, die Du lange nicht gesprochen hast.
  • Lass Deinen Geist mäandern – ohne auf einen Bildschirm zu blicken.
  • Du hast verrückte Ideen? Spinn sie weiter. Trau Dich, ihnen nachzugehen. Du musst sie nicht genau so umsetzen. Aber vielleicht sind sie wichtig, um gedanklich zu einem neuen Ort zu gelangen.

Deine Lösung: Schaff Dir ein kleines Notizbuch an. Es sollte schön genug sein, dass Du es gern bei Dir trägst. Und hässlich genug, dass Du mit Genuss reinkritzelst. Hier sammelst Du Ideenfragmente und Gedankenfetzen. Alternativ: Nutze die Diktierfunktion Deines Smartphones.

#16: Du fängst nicht an zu schreiben

Stell Dir vor, Du willst töpfern. Dafür brauchst Du Ton. Krasse Erkenntnis, oder? (Ironie off.)

Ohne Ton kannst Du viele Ideen für Obstschalen haben, aber in keine davon kannst Du saftige Kirschen legen.

Genauso ist es beim Schreiben. Um einen Text zu bearbeiten und anschließend zu veröffentlichen, brauchst Du eine rohe Masse – einen sogenannten Rohtext.

Praktisch für uns Schreibende: Statt in den Bastelladen zu gehen, machen wir unsere Textmasse selbst.

Das meine ich sogar buchstäblich, denn „Ton“ bedeutet noch etwas anderes. Wenn wir unseren „Ton selber machen“, finden wir gleichzeitig zum „Ton“ des Textes. Wir erschaffen nicht nur Textmasse, sondern finden auch die Stimme, nach der sie klingen wird.

Deine Lösung: Gliedere Deinen Text, indem Du provisorische Zwischenüberschriften formulierst. Nimm Dir einen ersten Abschnitt vor. Stell einen Timer, zum Beispiel auf zehn Minuten. Schreib Kamikaze, ohne nachzudenken, ohne Rücksicht auf Rechtschreibung und Grammatik. Lass verrückte Gedanken zu, so albern sie auch klingen mögen. Mit der Zeit wirst Du immer besser – und schreibst Texte, die erfrischend nach Dir klingen.

#17: Du hast keine Schreib-Routine

Um regelmäßig zu schreiben, musst Du bereit sein, es … wie soll ich es ausdrücken? … regelmäßig zu tun.

Schaff Dir einen Fixpunkt, an dem Du „regelmäßig schreiben“ festmachst.

Ich hab zum Beispiel entschieden, jeden Tag mindestens zehn Minuten zu schreiben. Ich mag meine Version, weil sie mir die größtmögliche Freiheit bietet.

Du könntest auch entscheiden, wöchentlich einen Newsletter zu schreiben, alle zwei Wochen einen Blogartikel zu veröffentlichen, jeden Tag eine bestimmte Anzahl an Wörtern zu schreiben.

Eine andere Idee: Du notierst nach Feierabend die Erkenntnis oder das Erlebnis des Tages. Die Einträge kannst Du später für Deine Newsletter oder Social Media-Posts verwenden. Oder Du machst nach einem Jahr ein kleines Buch draus.

Deine Lösung: Woran erkennst Du, dass Du regelmäßig schreibst? Entscheide Dich für einen Fixpunkt. Im Idealfall verbindest Du das Schreiben mit einem Ritual. Wenn Du es absolviert hast, machst Du ein Kreuz im Kalender. Natürlich versuchst Du, die Reihe nicht zu unterbrechen.

#18: Du hast zu viel Zeit

Du schreibst einen Satz, löschst die Hälfte, stehst auf und machst Dir einen Kaffee. Du setzt Dich wieder hin, legst kurz den Kopf auf der Schreibtischplatte ab („nur ein bisschen ausruhen …“) – und schläfst ein.

Viel Zeit zu haben bedeutet nicht automatisch, viel zu schaffen.

Zeitdruck hingegen kann Dir helfen, produktiv zu werden.

Deine Lösung: Setz Dir eine Deadline. Sorg dafür, dass es Konsequenzen hat, wenn Du sie nicht einhältst (sei fair dabei).

#19: Du hast ein großes Schreib-Projekt abgeschlossen

Ich hab am Anfang dieses Artikels davor gewarnt, nur auf Inspiration zu warten. Diese Situation ist die einzige, bei der ich Dir genau dazu rate.

Wenn Du gerade ein aufwändiges Schreibprojekt abgeschlossen hast und nur noch müde bist, ist Zeit für eine Verschnaufpause.

Schließ jetzt diesen Artikel und komm in vier Wochen wieder.

Wenn Du das nicht tust, gehst Du ganz bald auf dem Zahnfleisch. Und auch, wenn ich die Vorstellung an sich faszinierend fände, wünsche ich es Dir nicht.

Deine Lösung: Ruh Dich aus. Tu Dinge, die Dir guttun. Dann füllt sich Dein Wörterreservoir schneller, als Du gähnen kannst.

Die Schreibblockade im Text: 6 Tipps fürs Überarbeiten

#20: Du weißt nicht, für wen Du schreibst

Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft ich diese Unterhaltung führe. Lass sie mich Dir mit einem Mini-Dialog erläutern:

Ich: Für wen schreibst Du den Text?

Kundin: Für alle.

Ich verstehe, dass Du alle Menschen erreichen und niemanden ausschließen möchtest. Trotzdem sollten wir nicht „für alle“ schreiben.

Wenn wir wissen, welche Zielperson wir ansprechen, können wir Entscheidungen treffen:

  • Welche Lösung biete ich für welches Problem?
  • Welche Fachbegriffe, welches Vorwissen kann ich voraussetzen?
  • Wo wird die Person den Text lesen?
  • Welchen Schreibstil mag die Person?

Ohne diese Entscheidungen schreiben wir irgendwie irgendwann und kommen doch niemals an (wo auch).

Deine Lösung: Schreiben ist zwar eine etwas einseitige, aber doch eine Unterhaltung. Im Fokus des Schreibens sollten deshalb unsere Leser*innen stehen. Stell Dir vor, Du würdest Dein*e Lieblingsleser*in auf einen Kaffee treffen. Von welchen Problemen berichtet sie? Wie könntest Du sie am besten unterstützen?

#21: Du weißt nicht, was Du eigentlich sagen willst

Wenn Du es schaffst, sagen wir, eine karge Landschaft so interessant zu beschreiben, dass man zwei Seiten lang nicht aufhören kann zu lesen, kannst Du diesen Abschnitt überspringen.

Für alle Normalsterblichen: Jeder Text sollte eine Kernaussage enthalten. Nicht zwei oder drei. Eine.

Deine Lösung: Schreib erst weiter, wenn Du den Inhalt Deines Textes in einem Satz wiedergeben kannst. Pluspunkte gibt’s, wenn Du keine Nebensätze dafür brauchst.

#22: Dein Text hat zu wenig Substanz

Informationen bilden das Gerüst Deines Textes. Wenn das Gerüst nur aus zwei Stangen besteht, hast Du zwei Möglichkeiten:

  1. Du legst sie dekorativ hin und palaverst, was das Zeug hält. (Tu’s nicht.)
  2. Du investierst in ein stabiles Gerüst, das Deinen Text trägt: ausreichend Kontext, genug Details, griffige Beispiele.

Deine Lösung: Nimm Dir eine Stunde Zeit. Recherchiere die wichtigsten Fakten zu Deinem Thema.

#23: Du willst *alles* in Deinen Text packen

Vielleicht willst Du es nicht hören, aber es ist so wichtig:

Gute Schreibende sind demütig.

Sie wissen, dass ihre Aufgabe darin liegt, die Lesenden von A nach B zu führen.

Alles andere ist reines Ego (oder Unkenntnis):

  • Details, die zu weit führen.
  • Ausschmückungen, die schön klingen, aber nicht dem Zweck dienen.
  • Fußnoten, die die Leser*innen verwirren.

Deine Lösung: Überprüfe erst einzelne Abschnitte, dann Sätze, dann Worte. Was passiert, wenn Du sie weglässt? Liest sich der Text klarer oder fehlt etwas?

#24: Dein Text langweilt Dich

Du findest das Thema faszinierend, aber wie Du drüber schreibst, ist gääähn?

Wir verderben uns ganz schnell den Spaß an unseren Texten, wenn:

  • Sie besonders intelligent klingen sollen.
  • Wir einen Schulaufsatz-Style pflegen.
  • Wir Angst haben, in unserer Sprache zu schreiben.
  • Wir Angst haben, Haltung zu zeigen.

Deine Lösung: Schreib zuerst über das, was Du an Deinem Thema gut findest. Starte mit einer Geschichte oder einem leichten Kapitel Deines Buches. Nimm die Lesenden mit zu dem Aspekt, der Dich besonders fasziniert. Es steckt an!
Welche Schreibblockade hast Du? Ob Mindset, Schreib-Routine oder Text-Probleme: Hier findest Du für jede Ursache die passende Lösung (und die beste Übung). #indeinenworten

#25: Dein Text klingt nicht nach Dir

Es ist möglich. Du kannst Dich in Texten verstecken – hinter Coaching-Sprech, Business-Blabla oder Beamtendeutsch.

Aber es lässt vermuten, dass Du Angst hast, Dich zu zeigen. Oder, dass Dir nichts Eigenes eingefallen ist. Vor allem aber macht es Deine Texte austauschbar.

Überleg mal: Welche Texte sind Dir im Gedächtnis geblieben? Ich wette, es waren diejenigen, in denen Du die Persönlichkeit der Schreibenden gespürt hast.

Die eigene Schreibstimme herauszukitzeln, klappt nicht in der Theorie. Um Deinen Schreibstil und Deine Stimme zu entwickeln, brauchst Du Erfahrung.

Je mehr, desto besser.

Deine Lösung: Den direktesten Zugang zu Deiner Schreibstimme erschreibst Du Dir mit den Morgenseiten von Julia Cameron. Das Prinzip ist simpel: Gleich nach dem Aufstehen schreibst Du drei DIN-A4-Seiten voll. Egal womit. Schreib ohne anzuhalten auf, was Dir in den Sinn kommt. Wichtig ist, dass Du niemandem Deine Morgenseiten zeigst. So fällt es Dir leichter, auch Unangenehmes und verrückte Gedanken zuzulassen. Teste es einen Monat lang.

Quick-Fix: Die beste Übung gegen die Schreibblockade

Jetzt wird’s ein bisschen meta.

Völlig egal, wo Dich die Schreibblockade gerade im Schwitzkasten hat: Du kannst sie mit ihren eigenen Waffen schlagen – indem Du über sie schreibst.

Schnapp‘ Dir Papier und Stift oder ein öffne ein Textprogramm.

Fühle schreibend in Dich hinein. Starte mit einer der folgenden Herangehensweisen:

  • Beschreibe, wie sich die Schreibblockade anfühlt, welchen Charakter sie hat. Stell sie Dir bildlich vor. Ist sie ein Brett, das Dir jemand an die Stirn gehämmert hat, damit klare Gedanken draußen bleiben? Ist sie ein Moor, in dem Du verzweifelt auf der Stelle watest, um den Laptop zu erreichen? Hat sich ein Sumo-Ringer auf Deinen Brustkorb gesetzt, und Du kommst einfach nicht aus dem Bett?
  • Überlege schreibend, wo es Dir an Klarheit fehlt. Was weißt Du nicht? Wo tappst Du im Dunkeln?
  • Taste Dich schriftlich an Deine Angst heran. Schreibe auf, was Du sonst nicht auszusprechen wagst (Du kannst es ja später löschen oder verbrennen). Erschreibe Dir die nötige Courage, Worte aufs Papier zu bringen. Ganz egal, welche.
  • Beantworte Dir schreibend Fragen wie: „Was mache ich hier eigentlich?“ „Was wollen meine Leser von mir?“ „Warum habe ich statt zu schreiben das Bad geputzt?“

Es gibt weder „Richtig“ noch „Falsch“. Hauptsache, Du schreibst!

Und wo Du schon dabei bist: Schreib doch direkt zwei Sätze zu Deinem Thema auf.

Oder Du startest gleich hier und verrätst uns:

Welche Schreibblockade hast Du bei Dir identifiziert? Wie hast Du sie gelöst?

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Kommentare

6 Comments

  1. Ein sehr schöner und ausführlicher Artikel über die Schreibblockaden. Da ist alles drin. Ganz herzlichen Dank dafür.

    Reply
    • Sehr gern, liebe Iris! Ich hoffe, ich konnte Deine Frage beantworten 🙂
      Liebe Grüße
      Anke

      Reply
  2. Wow, Anke! Das wird mein Go-To Guide für Schreibblockaden und ich hab gleich ein paar Leute im Kopf, denen ich deinen Artikel weiterempfehlen werde. Vielen Dank dafür!

    Reply
    • Yesss! Genau dafür ist er gedacht, liebe Katja. Vielen Dank, dass Du den Artikel auch anderen empfiehlst.
      Viele liebe Grüße
      Anke

      Reply
  3. Liebe Anke,

    herzlichen Dank für diesen tollen Newsletter – und für alle deine Newsletter. Ich lese sie so gerne, weil ich deine Schreibstimme so mag. Und jedesmal ist irgendein Tipp dabei, den ich anwenden kann, obwohl ich kein Blogger oder Sachbuchautor bin, sondern Reisetagebücher schreibe. Diesmal war es #17. Einmal am Tag müsste es mir doch eigentlich gelingen, etwas zu schreiben.

    Freundliche Grüße,
    Anja

    Reply
    • Wie schön, liebe Anja. Ich freu mich total, dass Du mitliest! Reisetagebücher bieten sich sowas von an zum täglichen Schreiben 🙂 Viel Freude dabei, es lohnt sich auf so vielen Ebenen.
      Ganz liebe Grüße
      Anke

      Reply

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