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Warum Du Deine Schreibstimme brauchst (und wann sie verstummt)

< zum Hauptartikel „Schreibstil verbessern“

Diesen Blogartikel zu veröffentlichen fällt mir richtig schwer. Ach was, ihn zu schreiben hat mich schon aufgewühlt. Aber wenn ich Dir etwas Grundlegendes über Deine Schreibstimme mitgeben möchte, kann ich nicht um den Brei herumtheoretisieren. Ich springe direkt in die Pampe rein.

Deine Texte klingen austauschbar? Lass Deine Schreibstimme nicht verstummen! So stärkst Du sie und schreibst einzigartige Texte. #indeinenworten

Eigentlich hatte ich den Vorfall längst vergessen. Aber vor ein paar Wochen kam er wieder hoch. Und mit ihm die Scham.

Ich stand damals nichts ahnend im Pausenhof meiner Schule, als eine Bekannte mich auf mein Tagebuch ansprach. Nicht aufs Tagebuch selbst, sondern auf den Inhalt. Die ganze Schule wüsste Bescheid, sagte sie. Es gingen Kopien meiner Texte rum. Du kannst Dir vorstellen, was das macht mit einer Jugendlichen, die sich schon wegen eines kleinen Pickels auf der Nase geniert. Die ganze Schule lachte über Dinge, die ich nur dem Papier anvertraut hatte.

Erst in den letzten Wochen ist mir klar geworden, wie sehr mich dieses Ereignis beim Schreiben gehemmt hat. Es gab immer eine gemeine Stimme in mir, die geflüstert hat: „Schreib das nicht. Du bist ein komischer Mensch. Die anderen werden über dich lachen. Sie werden deine Texte gegen dich verwenden. Willst du einsam sterben?“

Um dieser fiesen Stimme ab sofort die Macht zu nehmen, schreibe ich diesen Blogartikel. Einen Blogartikel, der Dir hoffentlich zeigt: Es gibt alte Wunden, die Deiner Schreibstimme die Tiefe nehmen (und sie im schlimmsten Fall verstummen lassen). Sie halten Dich davon ab, übers 0815-Business-Sprech oder „Texten mit angezogener Handbremse“ hinauszugehen.

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Texte in Deiner Schreibstimme? Unbedingt!

Manche Texte sind für niemand anderen als für Dich bestimmt. (Schütze und hüte sie wie einen Schatz.) Mit anderen willst Du Dich und Dein Wissen zeigen, um als Expert*in wahrgenommen zu werden. Diese Sachtexte bestehen aus zwei Elementen:

Deine Texte klingen austauschbar? Lass Deine Schreibstimme nicht verstummen! So stärkst Du sie und schreibst einzigartige Texte. #indeinenworten

  1. Fangen wir mit dem scheinbar Selbstverständlichsten an: Fachwissen und Informationen, die Du vermitteln möchtest. Am besten geht das, wenn Du das Handwerk des Schreibens beherrschst.
  2. Weil das aber jede*r lernen kann, brauchst Du unbedingt noch: Dich! Ja, auch Texte im beruflichen Kontext dürfen – und sollten – widerspiegeln, wer sie geschrieben hat. Für Dich bedeutet das: Um Texte mit Deiner Schreibstimme zu schreiben, brauchst Du Mut, Aufrichtigkeit und – Überraschung! – eine Verbindung zu Dir selbst.

Der großartige William Zinsser formuliert es in seinem Buch Nonfiction schreiben so:

„Was das Handwerkliche angeht, so ist es unverzeihlich, wenn man Leser durch schlampige Arbeit verliert. Wenn ein Leser mitten im Artikel einnickt, weil Sie bei einem Detail gepfuscht haben, dann ist das Ihre Schuld. Aber ob der Leser Sie gut findet, ihm das, was Sie sagen, gefällt, ob ihm gefällt, wie Sie es sagen, ob er Ihnen zustimmt und Ihren Sinn für Humor oder Ihre Weltanschauung teilt, sollte Sie nicht eine Sekunde lang beschäftigen.“

Wer quatscht Deine Schreibstimme stumm?

Vor Kurzem hat mich ein lieber Teilnehmer meines kostenlosen E-Mail-Kurses gefragt, wie man beim Schreiben „Ecken und Kanten“ zeigt. Ich habe ihm zurückgeschrieben:

„Wenn es sich um ‚mein‘ Thema handelt, merke ich, dass die Worte von alleine kommen. Ich nehme stark an, dass Du Dich intensiv mit Deinem Thema auseinandergesetzt und mit der Zeit eine Meinung zu den einzelnen Sachverhalten gebildet hast. Wenn Du die äußerst, zeigst Du automatisch Ecken und Kanten.“

So schreibst Du über Dein Fachwissen. Wie aber schreibst Du darüber mit Deiner Schreibstimme?

Deine Texte klingen austauschbar? Lass Deine Schreibstimme nicht verstummen! So stärkst Du sie und schreibst einzigartige Texte. #indeinenworten

Sei aufrichtig. Sprich Deine Wahrheit aus. Setz Dich hin und schreibe ein wahres Wort nach dem anderen auf.

Und wenn das nicht geht: Versuche herauszufinden, was wirklich hinter der Angst steckt. Wem gehört die fiese Stimme, die nur die Informationen auf dem Papier gestattet, Deine Schreibstimme aber verstummen lässt?

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du ein ernstes Wörtchen mit ihr reden und sie dann verabschieden kannst. Denn hey, wenn ich eine ganze Schülerschar ins Nirwana schicken kann, schaffst Du das auch!

Und nun zu Dir:

Hast Du das Gefühl, dass Dich alte Wunden daran hindern, mit Deiner Schreibstimme zu schreiben? Wenn Du mutig bist, teile Deine Geschichte doch in den Kommentaren. Vielleicht kannst Du dann damit abschließen.

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anke ernst schreibmentorin portrat

Hi, ich bin Anke!

Deine neue Schreibmentorin und selbst Autorin (u. a. für Dudenverlag).

Ich unterstütze Soloselbständige dabei, Texte in ihrer Schreibstimme zu schreiben – mit Herz, handfesten Tipps und Strategien, die sich in meinem Alltag als Autorin bewähren.

Meine persönlichsten Schreibtipps verschicke ich wöchentlich per E-Mail.

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Kommentare

16 Kommentare

  1. Liebe Anke,

    vielen Dank, dass du diese Geschichte so offen teilst. Damit triffst du sicher den Kern des Problems bei vielen.

    Ob Blamage auf dem Schulhof, ständige Bewertungen von außen, familiäre Glaubenssätze oder was auch immer – hinter der Schreibhemmung dürften oft alte Wunden stecken, von denen die meisten Menschen ja welche haben (mich eingeschlossen). Und damit eine Art Angst vor Ablehnung. Zum Glück kommt mit den Jahren oftmals die Erkenntnis, dass man gar nicht immer allen gefallen muss (oder auch nur kann). Mir kommt dazu ein Ausspruch in den Sinn, den ich persönlich wunderbar befreiend finde: „In the end, people will judge you anyway. So don’t live your life trying to impress others. Live your life impressing yourself.“

    Danke für deine inspirierende Seite und viele Grüße
    Katharina

    Antworten
    • Ohhh , liebe Katharina, ich liebe das Zitat! Und vielen, vielen Dank für Deinen schönen Kommentar. Auf ein Leben, das wir selbst beeindruckend finden!

      Antworten
  2. Hallo Anke.

    Vielen Dank für diese Möglichkeit unsere Erlebnisse mit dir und anderen zu teilen. Ich bin per Zufall auf deine Seite gestoßen, weil ich nach Tipps gesucht habe, um meinen Schreibstil zu verbessern. Schließlich lernt man ja im Leben nie aus.
    Jedenfalls hat mich die Geschichte von Taylor sehr an mich erinnert. Vor allem, weil ich vor ein paar Wochen einer guten Bekannten von mir, eine Leseprobe zu einer Geschichte von mir gegeben habe. Eigentlich hatten wir bis dato auch keine Probleme miteinander.

    Im Gegenteil wir haben unsere Texte regelmäßig gegen Gelsen und uns darüber ausgetauscht. Ich habe viele ihrer Leseproben durchgelesen und ihr Anmerkungen gemacht. Dadurch hat sie ihre Geschichte voran bringen können.
    Ich versuche alle um mich herum stets mit Respekt zu behandeln und auch so wie ich gern behandelt werden möchte. Also bezog sich meine Kritik stets auf den Inhalt. Nie hatte ich sie scharf kritisiert. Und ihr immer auch Positive Anmerkungen gegeben, die mir sehr gefallen haben.

    Irgendwann hatte sie jemand anderem ihre Leseproben überreicht, die Person hat sie richtig niedergemacht. Ich habe sie aufgebaut und wir sind alle Punkte durchgegangen. Einige waren nicht zutreffend. Manche konnte sie nutzen. Dann wollte sie mal wieder was von mir lesen. Und an dem Tag hätte ich einfach auf mein Bauchgefühl hören sollen. Aber ich vertraute ihr. Also schickte ich ihr den nächsten Teil meiner Geschichte. Anders als ich, nahm sie sich nicht die Zeit, sondern überflog alles nur. Und es glich wirklich einem Massaker. Da wurde fast jeder Buchstabe rot angestrichen.

    Die Figuren waren Schrott. Alles was sie vorher noch als gut empfand, war plötzlich total unlogisch und dämlich. Mein Schreibstil wäre total umprofessionell und und und. Ach und mein Satzbau, der war Katastrophal. Das Schlimme ist, dass ich mich teilweise auch noch gezwungen sah, mich für meine eigene Geschichte zu rechtfertigen. Bis ich irgendwann dachte Nein!. Warum?

    Sie meinte, dass ich das Schreiben besser sein lassen sollte. Mit den Fehlern und diesen belanglosen Geschichten wäre es totale Zeitverschwendung. Und das alles sagte sie mir noch mit einem lächelnden Emoji. Schließlich wolle sie ja nur ehrlich sein, bevor mich meine Leser in der Luft zerreißen würden.

    Langsam denke ich, dass sie ihren ganzen Frust an mir ausgelassen hat. Es war eine Retourkutsche für die Kritik von der anderen Person und für meine, weil ich es auf den Punkt gebracht habe. Es geht mir nicht, um die Kritik allein. Es geht mir, um das drumherum. Sie kritisiert meine Grammatik und Satzbau, ist aber selbst schlecht darin.

    Auch ich hätte vieles zu ihrer Geschichte sagen können, aber aus Respekt zu ihr, habe ich es nicht getan. Habe mich auf den Inhalt konzentriert und versucht ihr zu helfen eine noch bessere Geschichte zu schreiben. Ich finde es Schade, dass man gleich persönlich wird. Denn die Person hat nichts mit der Geschichte zu tun. Und man muss ja nicht den gleichen Geschmack haben.

    Auch verstehe ich nicht, warum man darauf herum hacken muss, wie der Satzbau ist. Immerhin ist uns doch bewusst, dass man in der Rohfassung noch einiges bearbeiten muss. Jedenfalls habe ich dank euch und euren Erlebnissen eingesehen, dass ich weitermache. In Zukunft aber noch besser darauf achte, wen ich meine Texte zum Lesen gebe. Denn es ist unglaublich wieviele Leute neidisch auf andere sind. Vielen Dank Anke, dass du diese Seite hast. Ich werde in Zukunft noch weiter vorbei schauen. ;)))

    Antworten
    • Liebe Marlene,
      es tut mir wirklich leid, dass Du eine so niederschmetternde Kritik erleben musstest. Nun könnte ich sagen (wie ich es immer empfehle): Such Dir fürs Feedback Menschen aus, die es gut mit Dir meinen und die Ahnung haben. Aber Euer Tandem hat ja lange konstruktiv funktioniert. Ich hoffe, Du findest bald eine liebe Person, der Du vertrauen kannst. Vielleicht kannst Du dann gezielter um ihre Einschätzung bitten, z. B.: Ist die Handlung schlüssig? Passt diese Metapher?
      Und wie Du richtig sagst: Rohtexte sind deshalb roh, weil sie noch bearbeitet werden. Wir brauchen sie genauso. Das sollte unbedingt vorab klar sein.
      Vielen lieben Dank, dass Du Deine Erfahrung geteilt hast. Sie hilft sicher auch anderen, die hier vorbei schauen.
      Schreib mutig weiter 🙂
      Liebe Grüße
      Anke

      Antworten
  3. Hallo
    Mir hat mal eine“Freundin“ die Karten gelegt und meinte , ich für nie ein Buch veröffentlichen. So dumm sich das anhört, aber es scheint zu stimmen. Seit Jahren schreibe ich an einem Fantasy-Roman, höre wieder auf, schreibe um und werde nicht fertig. Meine Logik sagt mir, das es purer Blödsinn ist aber irgendwie, fühlt es sich an, als würde ich gegen unsichtbare Wände laufen. Dabei habe ich eine sehr schöne Schreibstimme, wenn ich mich aufraffen kann, zu schreiben. Ich habe keine Ahnung wie ich das ändern kann.

    Antworten
    • Liebe Sabine,
      vielen Dank, dass Du Dein Erlebnis mit uns teilst. Wegen mehr oder weniger gut gemeinter „Ratschläge“ oder Prophezeihungen kann ganz schön viel kaputt gehen. Kannst Du Dich für die Flucht nach vorne entscheiden? Zum Beispiel, indem Du diese unsichtbare Wand in Deinen Roman einbaust? Mir hilft es immer, Ängste greifbar zu machen, ihnen ein „Gesicht“ zu geben.
      Und vielleicht tröstet es Dich zu wissen: Jahre für ein Buch zu brauchen ist völlig normal. Das ist an sich noch kein Zeichen dafür, dass Du keines schreiben wirst.
      Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du diese Mauer überwinden kannst.
      Viele liebe Grüße
      Anke

      Antworten
  4. Liebe Anke,

    meine beste Freundin hat mich auf diesen Blog gebracht und ich muss ihr wohl danken, sowie dir.

    Auch ich hatte eine Schreibstimme, die war laut und voller Tatendrang und dann verstummte sie. Ich schrieb aber es glich mehr einer leeren Hülle ohne Seele. Ich habe lange nicht verstanden warum. Doch ich erinnere mich an den Moment, als mir jemand sagte, manche Fehler in meinen Texten würden entstehen, weil ich Ausländerin sei. Sie bot mir an meine Texte durchzugehen und mir zu helfen der deutschen Sprache mächtig zu werden. Noch nie habe ich mich ich so gekränkt, gedemütigt und mich beschämt gefühlt. Ich wusste zum Teil es stimmte nicht. Immerhin ist deutsch meine Muttersprache und sie wusste das, eigentlich. Ich verlor den Mut in meinem Können und war überwältigt, dass es so wichtig war woher ich stamme oder nicht.
    Es sollte keine Rolle spielen und man sollte keine Lügen erzählen, um jemanden seiner Schreibstimme zu berauben. Fehler in Text können passieren und sagen nichts darüber aus, woher man kommt. Der Schock saß aber tief und riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich habe zur Hälfte ausländische Wurzeln und bin stolz, trotzdem hatte ich das Gefühl auf eine niedrige Stufe gestellt worden zu sein und anstatt einfach nur zu schreiben, müsste ich beweisen, dass ich in Deutschland geboren worden bin. Damit es in Ordnug wäre auch mal kleine Fehler zu übersehen. Sie formulierte es für mich so, als wäre es anders nicht in Ordnug oder möglich. Meine Texte waren alles worauf ich gehofft hatte, auf mein Können beurteilt zu werden. Hätte sie ohne meine familiären Informationen anders gesprochen? Ich weiß es nicht, denn eigentlich ist es nicht wichtig. Dennoch hat es meine Stimme zum schweigen gebracht. Mir sagte jemand, dass Fehler normal wären und kein Meister von Himmel fällt. Das stimmt und ich will lernen den Teil hinter mich zu lassen. Ich vermisse das Schreiben. Nicht nur leere Worte, sondern wirklich zu schreiben. Ich denke deine Worte zu lesen gibt mir Mut es eines Tages wieder zu können. Es fühlt sich so an, als könnte ich es schaffen.

    Ich danke dir!

    Alles Liebe
    Taylor

    Antworten
    • Liebe Taylor,

      Deine Geschichte berührt mich sehr. Vielen lieben Dank, dass Du sie hier teilst. Es gibt mit Sicherheit Menschen, die eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Wenn sie Deine lesen, werden sie wissen, dass sie nicht alleine sind – und neuen Mut schöpfen.

      Ich glaube, den „Knackpunkt“ hast Du schon identifiziert: Du musst mit Deinen Texten gar nichts beweisen. Der Geburtsort einer Person entscheidet nicht darüber, welche und wie viele Fehler sie machen „darf“. Was soll das für ein Maßstab sein? Wir alle machen Fehler! (Ich bin übrigens nicht in Deutschland geboren. Gibt es länderspezifische Fehler-Kategorien? *Achtung Ironie*)

      Du bist niemandem etwas schuldig. Nur Dir selbst.

      Bitte sieh Deine Erfahrung nicht als „Hindernis“ an, sondern als Stärke. Du kannst sie mitnehmen und daraus etwas Gutes machen.

      Viel Mut fürs Schreiben sendet Dir
      Anke

      Antworten
  5. Huhu Anke,

    danke für deine Offenheit! Hemmungen, meine Schreibstimme zuzulassen, habe ich auch öfter.

    Ich denke manchmal an den Satz einer Freundin zurück. Das ist schon Jahre her, als sie meinte, meine Briefe an sie aus der Zeit XY hätten ihr gar nicht gefallen. Das erschüttert mich bis heute und blockiert auch meine Schreibstimme, weil ich gerade in Briefen (ähnlich wie in einem Tagebuch) ganz viel von mir selbst offenbare.

    Durch solche Spitzen habe ich gelernt, selber den Drang, ständig alles und jeden zu bewerten, abzulegen. Schließlich weiß ich, was das auch Jahre später noch anrichten kann.

    Mittlerweile habe ich auch verstanden, dass unnötig (!) geäußerte Kritik, Lacher und Spott mehr über die Kritiker aussagen als über das, was sie durch den Kakao ziehen. Freue mich auf weitere Blogposts von dir 🙂

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

    Elise

    Antworten
    • Hallo liebe Elise,
      vielen lieben Dank, dass Du auch eine Deiner Geschichten hier teilst. Gerade bei Freund*innen sollten wir uns eigentlich sicher fühlen können, uns (mit unserer Schreibstimme) so zeigen zu dürfen, wie wir sind. Umso toller, dass Du aus Deiner Erschütterung eine Tugend gezaubert hast!
      Großartig, dass Du dabei bist 🙂
      Alles Liebe
      Anke

      Antworten
  6. Hallo Anke,
    das Schreiben kann auch Therapie sein. Wir alle haben sogenannte Glaubenssätze aus der Kinder- und Jugendzeit eingetrichtert bekommen, die noch heute wirken. Insbesondere auf der emotionalen Eben kommen diese immer wieder hervor. Und zwar aus dem Unbewussten in stressigen Situationen.
    Davon kann man sich beispielsweise auch durch Schreiben befreien. Sofern man seine Glaubenssätze identifiziert hat, kann man sie kritisch auf Wahrheitsgehalt abklopfen und infrage stellen.
    Daraus entwickelt sich ein therapeutischer Prozess zum Ent-Lernen der Glaubenssätze.
    Wie gesagt, ein kleiner Hinweis, dass Schreiben auch Therapie sein kann.
    Einen schönen Tag wünsche ich Dir und weiterhin viel Erfolg.
    Peter

    Antworten
    • Lieber Peter,
      danke Dir für Deinen Hinweis. Dass eine Schreibtherapie viel heilen kann, kann ich mir sehr gut vorstellen.
      Viele liebe Grüße
      Anke

      Antworten
  7. Liebe Anke,
    ich bin noch immer sprachlos.
    Eine Geschichte, die mich traurig und wütend macht; mich an all das erinnert, was ich selbst erlebt habe und auch mich aufwühlt; mich innerlich zum Kochen bringt.
    Das Schlimme an diesen Geschichten ist ja, dass die, die betroffen sind, sich schämen, obwohl eigentlich die Verursacher in Grund und Boden schämen sollten.
    Und was das mit dem Betroffenen macht, über die Konsequenzen, macht sich niemand Gedanken. Wie lange einen das begleitet, vielmehr verfolgt, und sich unbewusst im Inneren manifestiert und lähmt / blockiert, wird einem erst viel später bewusst.
    Um Dir zu zeigen, dass Du damit nicht alleine bist, nur eine kleine Geschichte, die mir in meiner Ausbildung widerfahren ist: ich kam in den Aufenthaltsraum zurück, in dem wir Auszubildenden alle zusammen saßen, und bekam im allerletzten Moment mit, wie jemand ganz schnell etwas in meine Tasche zurück packte. Die Tasche war verschlossen, als ich den Raum verließ, da ich bereits die Erfahrung gemacht hatte, dass sich jemand an offen herumliegenden Papieren / Büchern von mir zu schaffen gemacht hat. Selbst das Einpacken und Verschließen hat nichts gebracht und es hat sich jemand daran bedient. Meine Fassungen, mein Schreibgut über den Ausbildungsabschnitt wurden herausgenommen und kopiert, anschließend abgeschrieben.
    Bis heute habe ich ein Problem damit, Materialien, was auch immer, mit anderen zu teilen. Obwohl ich mich schon als Teamplayer bezeichnen möchte und natürlich auch dafür bin, Ergebnisse und Erkenntnisse mit allen, die im gleichen Bereich arbeiten, zu teilen, damit alle den gleichen Wissensstand haben. Trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, wie es mir oft schwer fällt, meine Erkenntnisse den Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung zu stellen. Insbesondere, wenn es sich um mein eigenes geistiges Eigentum handelt.
    Ich danke Dir für Deine Offenheit und Deinen Mut! Bleib weiter so! 🙂
    Alles Liebe,
    Julia

    Antworten
    • Liebe Julia,
      vielen lieben Dank für Deine Offenheit und Deinen Mut, Dich mit Deiner Geschichte zu zeigen.
      Du hast vollkommen Recht: Es gibt keinen Grund dafür, dass wir uns schämen. Lass uns gemeinsam die Scham schamlos an die Täter zurückgeben und das Kapitel schließen!
      Ich hoffe, Du kannst immmer wieder ein kleines Stückchen mehr, so wie heute, Deine Erkenntnisse (mit Kolleg*innen) teilen – und Dich auch vom Wissen anderer bereichern lassen.
      Alles Liebe und nochmal ein großes Dankeschön
      Anke

      Antworten
    • Hallo Anja, hallo Taylor,

      ich habe zurzeit auch eine Schreibblockade, die sich teilweise davon ableiten lässt, dass ich einen Satzbau und Formulierungen nutze, die nicht deutsch klingen. Manchmal klingen sie auch nicht französisch, sondern einfach nur wie ich. Sie sind eben meine Schreibstimme.
      Ich lebe seit 23 Jahren in Deutschland, bezahle meine Steuer hier und bin mittlerweile in manchen meiner Ansichten mehr Deutsche als die meisten Einheimischen. Aus dem beruflichen Fachkontext wurde mir gesagt, dass ich mich teilweise besser schriftlich und mündlich ausdrücken kann als die ‚echten‘ Bewohner dieses Landes, denn ich beherrsche die Komplexität der deutschen Grammatik und verfüge über einen großen Wortschatz. Egal wen ich frage, bin ich ‚besser‘ als der Durchschnitt. Jedoch werden meine Fehler aufgedeckt, ‚weil man es eben nicht so sagt‘. Für mich ist das ein versteckter Rassismus im Kreativschreiben-Bereich, wo man halt eher Rückgrat erwartet, weil man sich eben ’nackt macht‘.
      Nur zum Spaß möchte ich gerne einmal wissen, ob ein Lektor anhand von anonymen Texten darüber urteilen könnte, ob die Person ausländischer Herkunft wäre oder nicht.
      Ich erhoffe mir natürlich bessere Korrektursoftware und liebevolle Menschen, die darauf hinweisen, aber bis dahin hoffe ich vor allem auf Toleranz und Achtsamkeit, die einen dazu ermahnen, nicht immer alles sagen zu müssen, was man denkt, sondern eher vorher zu denken, bevor man was sagt. Denn das tut man mit dem geschriebenen Wort schließlich auch – denken.

      Liebe Grüße
      Eli

      Antworten
      • Liebe Eli,
        vielen Dank für Deine Offenheit. Deinem Wunsch schließe ich mich zu 100 Prozent an! Ich wünsche Dir (und uns allen), dass wir auf freundliche Menschen stoßen, die unsere Weiterentwicklung im Sinn haben, statt einfach nur Fehler „aufzudecken“ zu wollen.
        Es tut mir leid, dass Du in Bezug auf Deine Texte vor den Kopf gestoßen wirst. Zumal, wie Du richtig schreibst, wir uns als Schreibende oft „nackt machen“. Aus meiner Zeit als Lektorin kann ich Dir auf jeden Fall sagen: Du wärst überrascht, wie viele Deutsche sich einen Sch* um Grammatik scheren 😀
        Deshalb steck bitte Deine Energie in Deine Texte, statt immer korrekter schreiben zu wollen. Rechtschreibung und Grammatik sind natürlich wichtig, aber nicht Deine Baustelle. Du schreibst super! Jetzt darfst Du loslassen und Deine Texte in Deinen Worten und Formulierungen schreiben. Ich wünsche Dir Mut dazu und gaaanz viel Spaß 🙂
        Liebe Grüße
        Anke

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