Texte einfach besser formulieren: 18 effektive Profi-Tipps

Schreibstil verbessern

Um Deine Texte besser zu formulieren und an Deinem Schreibstil zu feilen, brauchst Du:

  1. Text-Handwerk.
  2. Mut, Dich nicht hinter Phrasen und Blabla-Wörtern zu verstecken.

In diesem Blogartikel gebe ich Dir 18 Schreibtipps, die Dir helfen:

  1. Deine Texte besser zu formulieren. (Was generell einen guten Text ausmacht, erfährst Du hier.)
  2. Zu erkennen, ob und wie Du Dich hinter Formulierungen und Wörtern versteckst.

Kleiner Mutmacher vorab: Auch Profis überarbeiten ihre Texte mehrmals (siehe Schritt 5 von 6). Also verzweifle nicht, sondern spiele mit den Möglichkeiten.

Schnapp Dir gerne einen Deiner Texte, damit Du die Tipps direkt umsetzen kannst.

Bessere Formulierungen, Sätze und Wörter: Mit 18 effektiven Schreibtipps vom Profi verbesserst Du Deinen Schreibstil und machst mehr aus Deinen Texten. Schnapp Dir Deinen Text und los geht's mit dem Überarbeiten!  #indeinenworten

Wie Du längere Textabschnitte besser formulierst

1. Formuliere präzise.

Klar, Du kannst einen Sachverhalt ganz nüchtern und allgemein erklären.

Die Lesenden nimmst Du allerdings mehr mit, wenn Du eine konkrete Situation beschreibst, die beispielhaft für diesen Sachverhalt steht.

Wenn Du noch einen drauf setzen willst, nutze die Methode Storytelling. So durchläuft Deine Hauptfigur einen nachvollziehbaren Prozess. Wetten, die Lesenden sind neugierig auf das Ende?

2. Ziehe sprachliche Bilder durch.

Mein Lektorinnen-Herz bricht jedes Mal ein Stückchen, wenn es krumme Vergleiche oder Metaphern liest. OK, so dramatisch ist es auch wieder nicht. Aber auch Laien merken unbewusst, dass am Text irgendwas schräg ist.

Beispiele?

  • „Die Aktienkurse sind wie Lawinen. Mal gehen sie hinunter, mal hinauf.“
  • „Sie rannte gegen Windmühlen an.“

Wenn Du ein sprachliches Bild nutzt, muss der Rest seiner inneren Logik gehorchen.

Und wo wir grade dabei sind: Vermeide Phrasen und ausgelutschte Metaphern.

Zum Beispiel diese hier:

  • Ein frischer Wind weht
  • Der Fels in der Brandung
  • Das Feuer der Liebe
  • Lange Rede, kurzer Sinn
  • Die Flucht ergreifen

3. Vermeide vermeintlich wichtige Konstruktionen, die Dich und Deine Botschaft verstecken.

Du kannst jeden Beamten-Bandwurmsatz hervorragend in verständliche Alltagssprache übersetzen.

Kleine Übung gefällig? Probier’s mal mit dieser Anweisung:

„Es sollen Vorkehrungen getroffen werden, dass alle staatlichen Regierungsgebäude sowie nicht-staatliche Gebäude, die der Nutzung durch die Regierung unterliegen, auf unbestimmte Zeit während eines Luftangriffs vollkommen verdunkelt werden, sodass sie weder aufgrund ihrer Innen- noch ihrer Außenbeleuchtung dem Blick freigegeben sind.“

Franklin D. Roosevelt war es zum Glück wichtiger, dass die Menschen die Anweisung umsetzten. Er übersetzte:

„Sagt denen, dass sie was vor die Fenster machen sollen, wenn sie in einem der Häuser nachts arbeiten müssen.“

Wenn Du etwas zu sagen hast, brauchst Du weder Fachchinesisch noch Beamtenfloskeln. Du darfst es in Deiner Schreibstimme sagen.

4. Verleihe Deinem Text Rhythmus.

Viele Profis raten dazu, möglichst kurze Sätze zu schreiben. Auch ich rate Dir genau das im nächsten Punkt. Aber:

Wir telegrafieren nicht. Wir möchten einen Text schreiben, der leicht zu lesen ist. Manchmal, aber wirklich nur manchmal und bitte bewusst, können wir längere Sätze einbauen. Dann führen wir die Lesenden rhythmisch durch das Thema. Wie liest sich der Rhythmus dieses Abschnitts?

Kurz. Länger. Noch länger. Weiter lang. Eine kurze Frage.

Mein Fuß wippt mit 🙂

5. Prüfe Deinen Text auf Rechtschreibfehler.

Den letzten Schliff verpasst Du Deinem Text, wenn Du ihn auf Rechtschreibfehler überprüfst oder überprüfen lässt.

Saubere Texte glänzen.

Tipp: Lass den Duden kostenlos über Deinen Text laufen.

6. Formatiere Deinen Text.

Einen Text „formulierst“ Du auch, wenn Du ihn optisch gliederst.

Achte vor allem bei Online-Texten darauf, dass Du Absätze machst und Zwischenüberschriften setzt.

So vermeidest Du Schwarz-weiß-Blöcke, die die Lesenden sofort abschrecken. Eine klare Formatierung hilft Dir auch, klarer zu formulieren.

Wie Du Sätze besser formulierst

7. Ordne jedem Satz eine Information zu.

Wenn Du in Sachen Rhythmus noch nicht so fit bist, schreibe lieber einen Hauptsatz nach dem anderen – aufgelockert durch den ein oder anderen Nebensatz. Achte dabei darauf, dass jeder Satz nur eine Information enthält.

Der Vorteil: Du merkst schnell, was Du bereits mitgeteilt hast und was nicht. Du kommst zum Punkt.

Wenn es unbedingt Schachtelsätze sein müssen, achte auf Folgendes:

  • Setze sie sparsam und mit einer gezielten Absicht ein.
  • Zusammengehörendes sollte zusammen bleiben.
  • Einschübe sollten nicht mehr als zwölf Silben (etwa sechs Wörter) umfassen, denn mehr können sich Lesende nicht merken.

(Merkst Du, dass das Schreiben weniger mit Talent zu tun hat?)

8. Schreibe aktive Sätze.

Handelnde Subjekte aktivieren die Aufmerksamkeit der Lesenden.

Passiv-Sätzen fehlt die treibende Kraft.

Anzeichen für einen Passiv-Sätze sind folgende Wörter: wird, wurde, werden, worden.

Außerdem deutet das Passiv darauf hin, dass Du Deine Hausaufgaben nicht gemacht hast. Denn Du vermeidest zu sagen, wer verantwortlich für die Handlung ist.

Ein Beispiel: „Sie wurde beraten.“

Hier erkennt Profi Anke sofort: Wer immer das geschrieben hat, scheute die Recherche. Wer beriet da? Soll die Person womöglich geheim bleiben? Aber warum?

Übrigens tritt ein ähnlicher Effekt mit diesem Satz ein: „Man beriet sie.“

Das ist zwar ein aktiver Satz, aber definitiv kein mitreißender.

9. Vermeide den Konjunktiv.

Gegen den Konjunktiv ist nichts einzuwenden. Ich würde ihn selbst öfter benutzen, wenn ich nicht anders könnte.

Aber er ist schon schwerfälliger, findest Du nicht?

Wir, die wir über unsere Expertise schreiben, brauchen den Konjunktiv selten. Denn wir schreiben kaum über Wahrscheinlichkeiten, Wünsche und Möglichkeiten. Wir vermitteln unser Wissen.

Du willst jemanden zitieren? Die indirekte Rede kannst du vermeiden, indem Du die direkte Rede nutzt. Und – natürlich – die richtigen Anführungszeichen setzt:

„Ein exzellenter Tipp“, lobte Marion.

10. Bring Fluss in Deinen Text – indem Du die Satzstellung veränderst.

„Subjekt, Prädikat, Objekt“ ist eine klassische Satzstellung. Ihre Klarheit wollen wir.

Aber wir sind keine Maschinen. Auflockernd wirkt ein Text, wenn Du Sätze auch mal anders beginnen lässt.

Zum Beispiel mit „obwohl“, „bevor“ oder „heute morgen“.

Die Satzstellung verändert sich automatisch. Und Dein Text liest sich flüssiger.

11. Negationen trüben Deinen Text.

Nutze keine Negationen.

Besser noch: Vermeide sie.

Wie Du bessere Worte wählst

12. Setze auf die Magie prägnanter Verben.

Wenn Du aus diesem Artikel nur eine Erkenntnis mitnimmst, dann bitte diese hier: Prägnante, aktive Verben verbessern Deinen Text sofort.

Überlege, welche Verben in Deinem Text zu generisch ausfallen. Zum Beispiel: laufen, sehen, sitzen.

Das Kopfkino springt schneller an, wenn die Person flitzt, starrt oder lungert.

Tut es, oder?
(Bitte, vermeide das vage „tun“.)

Zusatztipp: Oft verstecken sich Verben dort, wo sie gar nicht hingehören. Nämlich in Substantiven.

Zum Beispiel:

  • Auseinandersetzung
  • Bearbeitung
  • Beratung
  • Einführung
  • Handlung
  • Mitteilung

Verwandle diese Ung-Getüme wieder in ihren Urzustand. Das macht Deine Texte lebendiger:

  • auseinandersetzen
  • bearbeiten
  • beraten
  • einführen
  • handeln
  • mitteilen

13. Entscheide, wie viel Wissen Du voraussetzt.

Sind Deine Leser*innen vom Fach? Haben sie einiges an Vorwissen? Stoßen sie ganz neu auf das Thema?

Je nachdem, wie Deine Antwort ausfällt, solltest Du Fach- und Fremdwörter erklären oder vermeiden.

(Merkst Du, wie wichtig es ist, Deine Zielperson zu kennen?)

14. Löse Sammelbegriffe auf.

Klar kannst Du über Tiere, Leute oder Bäume schreiben.

Damit aber vergibst Du Dir, Deine Leser*innen in Deine Welt mitzunehmen. Alleingelassen denken Deine Lesenden an Fasane oder Kohlmeisen, an Studierende der Naturwissenschaften oder Flugpersonal, an Rotbuchen oder Tannen.

Gleiches gilt übrigens für vage Wörter wie „gut“, „sehr“ oder „Dinge“.

Treffende Worte zu finden, ist Teil des Schreib-Handwerks.

15. Erwecke Wörter aus dem Bullshit-Bingo zum Leben.

Du kennst Bullshit-Bingo, das man in Meetings spielt? Vorher überlegt jede*r für sich, welche Wörter fallen werden. Wer zuerst alle durchgestrichen hat, gewinnt.

Meistens handelt es sich um Wörter, die gut klingen, die aber niemand so richtig definieren kann.

(„Buzzwords“ sind keine Eigenheit von Business-Meetings. Bullshit-Bingo kann man in jeder beliebigen Branche spielen.)

Kannst Du jedes Wort in Deinem Text erklären? Oder hinterlassen einige ein maues Gefühl?

Viele Maues-Gefühl-Kandidaten kannst Du aufspüren, wenn Du ihre Endungen anschaust:

  • -ung
  • -tion
  • -ismus
  • -heit
  • -keit
  • -nis

Was genau bedeutet für Dich und Deine Arbeit „Innovation“, „Optimierung“ oder „Einfachheit“? Erkläre es am konkreten Beispiel.

Kurzer Zusatz zum Beamten-Deutsch: Vermeide das. Du bist keine Behörde, die „eine Maßnahme vornimmt, insbesondere hinsichtlich der korrekten Anwendung“.

Hier kannst Du Deinen Bullshit-Index eines Textes ermitteln: www.BlaBlaMeter.de.

16. Lösche Füllwörter – aber nicht alle.

Ich habe einmal ein komplettes Manuskript verhunzt. Weil ich so fasziniert von den Funktionen meiner neuen Schreibsoftware war, löschte ich alle Füllwörter, die sie mir wunderbarerweise anzeigte. Danach klang der Text, als hätte ihn eine Maschine geschrieben.

Seitdem erlaube ich mir das ein oder andere Füllwort. Dadurch menschelt der Text, und die Lesenden fühlen sich eher als Teil einer Unterhaltung.

Das ist aber keine Einladung an die Füllwörter dieser Welt, es sich in Deinen Texten gemütlich zu machen. Die meisten von ihnen brauchst Du nicht. Aber einige kannst Du gezielt einsetzen.

Also: Streiche überflüssige Wörter. Aber schreib trotzdem so, wie Du sprichst.

Beispiele für Füllwörter:

  • durchaus
  • eigentlich
  • überhaupt

17. Spüre Doppelungen (Redundanzen) auf.

Adjektive liefern zusätzliche Informationen über das Substantiv. Zum Beispiel: „die zuverlässige Kundin“. Deshalb erhalten wir beim Lesen – blöderweise – die nebensächlichere Information zuerst.

Überlege Dir also: Welche Adjektive brauchst Du wirklich? Kannst Du das „zuverlässig“ anders ausdrücken?

Manche Adjektive kannst Du ersatzlos streichen, weil ihre Information schon im Substantiv enthalten ist. Zum Beispiel:

  • das junge Mädchen
  • das günstige Schnäppchen

18. Spare an Silben.

An der deutschen Sprache liebe ich, dass wir Worte erfinden können. Einfach, indem wir zwei oder drei zusammenfügen.

Ein solch besonderes Wort, gezielt eingesetzt, wirkt stark.

Im Normalfall aber solltest Du an Silben sparen. Je weniger Silben ein Wort enthält, desto verständlicher ist es.

Zum Beispiel:

  • aus diesem Grund – deshalb
  • in einem Zeitraum von zwei Monaten – Zwei Monate lang
  • zum Verzehr geeignet – essbar
  • ein Angebot machen – anbieten
  • Ding der Unmöglichkeit – unmöglich

Zusatztipp: Vermeide Worte, die Negation wie „nicht“, „kein“ oder „ohne“ in sich tragen. Wähle lieber die positive Entsprechung. Wetten, sie ist kürzer und prägnanter?

Zum Beispiel:

  • ungezwungen – locker
  • emotionslos – nüchtern

Die goldene Regel, um Texte besser zu formulieren

Es gibt Regeln für einen guten Schreibstil. Aber Du kannst sie brechen.

Wichtiger nämlich, als sie pedantisch einzuhalten, sind Deine Leser*innen. Achte darauf, dass Du für sie schreibst – in Deinen Worten.

Erste Schritte, um besser zu formulieren

Ein Schreibstil verändert sich ein Leben lang. Wenn Du viel schreibst, zum Besseren.

Das Zauberwort heißt also „üben“!

Lies und schreibe regelmäßig, veröffentliche und hole Dir Feedback.

Ganz konkret:

1) Hier kannst Du einen Deiner Texte eingeben. Du erhältst Anregungen, um ihn besser zu formulieren.

2) Wir arbeiten gemeinsam an Deinen Texten. Hier erfährst Du alles zum 1:1-Mentoring. Ich freu mich schon auf Dich.

Welcher Schreibtipp hat Dir besonders geholfen? Hast Du ein Vorher-Nachher-Beispiel für uns? Rein damit in die Kommentare!

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