Was ein Sachbuch ist – und warum Du es nie mit Ratgeber und Fachbuch verwechseln solltest

09/09/2019 | Sachbuch schreiben, Schreibprozess

Sachbuch, Ratgeber, Fachbuch – klingt alles wie eine große Buchstabensuppe. Aber für Texte wie Essen gilt: Wenn klar ist, was drin ist, verkauft’s sich besser. Was ein Sachbuch ist, wie es sich von Ratgeber und Fachbuch unterscheidet – und wieso Dich dieses Wissen zum Schreib-Profi (und vielleicht bald Autor*in) macht, erfährst Du jetzt.

→ Den Teil mit der Suppe und Türmen aus Elfenbein überspringen und direkt zur Übersicht gelangen: Scrolle bis “Die Unterschiede zwischen Sachbuch, Ratgeber und Fachbuch: So definieren Verlage”.

Was ein Sachbuch ist, und wie es sich von Ratgeber und Fachbuch unterscheidet: Mit diesem Insider-Wissen arbeiten Autor*innen. #indeinenworten

Ein Buch über Deine Expertise zu schreiben ist ein guter, aber kein spezifischer Plan. Aufs Suppenkochen übertragen (kennst Du das, wenn Du kurz vor Mittag am Schreibtisch sitzt und nur ans Essen denken kannst?), würde das bedeuten: Du kippst Zucchini, Äpfel und Kohl in einen Topf. Nudel-Buchstaben dazu. Erwärmen. Dranbleiben und Geduld haben. Fertig.

Was aber, wenn die Zutaten gar nicht zusammenpassen? Dann schmeckt’s so semi. Und überhaupt, wer soll das essen?

Wir halten fest: Es ist gut zu wissen, wer „das“ am Ende lesen soll – nämlich Deine Zielgruppe. Darauf abstimmen solltest Du den Inhalt (Zutaten) und den Schreibstil (Nudel-Buchstaben). Das Ergebnis füllst Du … in eine Warengruppe (Suppenteller). Mehr dazu gleich (ohne Suppe, versprochen!).

Was ist ein Sachbuch? Definitionen aus Elfenbeintürmen

In der Literaturwissenschaft wird gern gestritten. Auch um Nuancen. Wenn es Dich interessiert, was Sachbuchautoren (hier muss ich nicht mal gendern) bis 1967 über ihr Metier geschrieben haben, lies „Die kleine Literaturgeschichte des Sachbuches“.

Wenn Du keine Lust dazu hast – kein Problem. Ich zitiere gern für Dich einen der besten Sätze, den Titel. Er fasst wundervoll prägnant zusammen, was ein Sachbuch ganz allgemein ist: „Die Darstellung einer Sache mit literarischen Mitteln“. Genau darum geht es. Du schreibst über Deine Sache (Deine Expertise), und zwar mit Storytelling und anderen Profi-Tricks.

Was bei der „Darstellung Deiner Sache“ im Vordergrund stehen sollte, erfahren wir vom Buchreport. (Der gibt seine Daten an den Spiegel weiter, der wiederum daraus seine Sachbuch-Bestsellerliste erstellt.)

Bearbeitungen von Sachthemen werden auf den Sachbuch-Bestsellerlisten veröffentlicht, sofern Informations- und Wissensvermittlung klar ersichtlich im Vordergrund steht.

Wir ignorieren den Rechtschreibfehler und konzentrieren uns auf das, was für Dich wichtig ist: Solange Du zuallererst Dein Wissen weitergibst, kannst Du Dein Sachbuch op Kölsch schreiben oder mit getrockneten Blumen verzieren. Wenn Dein Buch oft genug verkauft wird, kann Dich der Spiegel nicht ignorieren.

Und wo wir davon sprechen: Jetzt geht’s ans Verkaufen.

Die Unterschiede zwischen Sachbuch, Ratgeber und Fachbuch: So definieren Verlage

Verlage möchten wissen, wo sie ein Buch einordnen – positionieren – können. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels definiert dafür Warengruppen (PDF). Interessant für uns: Seit 2007 sind diese Warengruppen nicht mehr auf die Logistik abgestimmt. Sie sind so definiert, dass sie das Marketing – also das Verkaufen – vereinfachen!

Du willst sowieso im Eigenverlag veröffentlichen? Mach’s Dir leicht. Die folgenden Definitionen werden Dir helfen, beim Schreiben auf das Wesentliche zu achten.

Was ist ein Sachbuch?

  • Warengruppe 9: „wissensorientiert mit primär privatem Nutzwert“
  • Inhalt: (aktuelle) Wissensthemen, Information
  • Zielgruppe: Laienpublikum, das sich in ein Thema reinfuchsen möchte
  • Schreibstil: verständlich, Fachwörter solltest Du erklären
  • Beispiel: Sachbuch über autobiografisches Schreiben: Doris Dörrie: Leben, schreiben, atmen: Eine Einladung zum Schreiben*

Was ist ein Ratgeber?

  • Warengruppe 4: „handlungs- oder nutzenorientiert für den privaten Bereich“
  • Inhalt: Hilfe zu einem konkreten Thema
  • Zielgruppe: Laienpublikum, das Rat sucht und danach handeln möchte
  • Schreibstil: verständlich, Fachwörter solltest Du erklären
  • Beispiel: Ratgeber, um kreatives Schreiben zu lernen: Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen*

Was ist ein Fachbuch?

  • Warengruppe 5–7: „handlungs- bzw. wissensorientiert mit primär beruflichem oder akademischem Nutzwert“
  • Inhalt: berufliches oder akademisches Wissen
  • Zielgruppe: Fachleute, Akademiker*innen, die sich informieren und Gelerntes im Beruf umsetzen möchten.
  • Schreibstil: Fachchinesisch, gerne trotzdem lesbar
  • Beispiel: Fachbuch für Berufsschreiber: Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil*

Fazit: Was für ein Buch schreibst Du?

Du bist ein freier Mensch. Du kannst eine Lose-Blatt-Sammlung anlegen, auf jedes davon ein weises Wort notieren, und das Ganze „Buch“ nennen. (Das entspräche einer experimentellen, wässrigen Suppe mit geringem Buchstabenanteil.)

Auch möglich: Du schreibst ein Buch über Deine Expertise, das Deine Zielgruppe verschlingt – und dann Nachschlag fordert. (Also eine geschmackvolle Buchstabensuppe, serviert im handverlesenen Teller.)

Kurz: Entscheide Dich für eine Warengruppe und stimme Zielgruppe, Inhalt und Schreibstil darauf ab. Und dann schreibe das Konzept.

So, jetzt gehe ich essen. Rate mal, was es gibt 🙂

Verrätst Du uns, was für ein Buch Du schreibst oder schreiben willst? Teile es in den Kommentaren!

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Kommentare

4 Comments

  1. Danke Anke für deinen gut erklärten Artikel.
    Ich habe eine Frage: Ich schreibe über einen Roadtrip durch Afrika und flechte zwischen den Erlebnissen Fakten über die Botanik und Geologie ein. Ist das dann im weitesten Sinne ein Sachbuch? Oder Belletristik? Oder ein Reisebericht?

    Ich liebe deine knackigen Texte.
    Liebe Grüße – Anja

    Reply
    • Liebe Anja, tolles Thema! Wenn es ein Sachbuch wäre, würdest Du die Leser*innen systematisch in afrikanische Botanik und Geologie einführen und Deine Erlebnisse für Beispiele heranziehen (wobei “afrikanische Botanik und Geologie” noch zu konkretisieren wäre). Wie Du es schreibst, klingt es eher danach, als stünde der Roadtrip im Vordergrund. Also klares Votum für Reisebericht!

      Reply
  2. witzig, gerade in den letzten Tagen habe ich mich gefragt, was ist eigentich der Unterschied zwischen Sach- und Fach-Buch – da stoße ich (über deinen Newsletter) auf diesen Blog-Artikel
    – DANKE!

    Reply
    • Haha, das habe ich natürlich gehört, liebe Kira 😀

      Reply

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