Regelmäßig schreiben: So erreichst Du Dein „Writer’s High“

11/02/2019 | Schreibblockaden lösen, Strukturiert schreiben

Schreiben und laufen haben vieles gemeinsam: Sie kosten Überwindung. Sie sind hart. Aber das „Runner’s High“ kommt nach ein paar Kilometern garantiert. Und auch Dir winkt das „Writer’s High“ mit Glücksgefühlen und Schreibflow. Die Voraussetzung: Mach‘ das Schreiben zur Gewohnheit.

Regelmäßiges Schreiben belohnt Dich mit Deinem „Writer’s High“. So machst Du Dir das Schreiben zur Gewohnheit.

Wenn Du höchstens ab und zu zum Bus sprintest, wirst Du keinen Marathon schaffen. Du läufst erst einmal kurze Strecken und steigerst Dich langsam. Klar, der Muskelkater bleibt nie aus. Aber er wird nicht so schlimm, dass Du nur noch durch die Gegend kriechen kannst.

Was Du auch nicht machen würdest: Von heute auf morgen jeden Tag fünf Stunden schreiben. OK, hypermotiviert klappt es vielleicht ein paar Mal. Dann aber selten wieder. Denn Du hättest zwar keinen Muskelkater, würdest jedoch das Schreiben mit Quälerei verbinden.

Regelmäßig schreiben: Wie bereit bist Du für die neue Gewohnheit?

Um eine Gewohnheit wirklich im Alltag zu verankern, brauchst Du mehr als einen Körper, der Befehle umsetzt. Du brauchst auch Deinen Geist. Und der hat’s lieber, wenn Du ihn liebevoll mitnimmst als überrumpelst.

Aber wo genau stehst Du in Bezug auf das Schreiben wirklich?

Praktischerweise gibt es ein Modell, das Deinen Geist in Bezug auf das Schreiben ganz genau orten kann. (Entwickelt haben das „Transtheoretische Modell“ der Wissenschaftler James O. Prochaska und seine Kollegen.) Es beschreibt die Stufen, die wir Menschen durchlaufen, um eine Gewohnheit im Alltag zu verankern.

Auf das regelmäßige Schreiben übertragen bedeutet das:

  1. Ich habe nicht vor, etwas in meinem Leben zu verändern.
  2. Ich denke darüber nach, regelmäßig zu schreiben.
  3. Ich bereite mich darauf vor, das Schreiben in mein Leben zu integrieren.
  4. Ich bin dabei, eine Schreibroutine zu etablieren.
  5. Ich schreibe regelmäßig.
  6. Mist, ich habe das Schreiben vernachlässigt.

Welche Aussage trifft eher auf Dich zu?

Wenn Du hier gelandet bist, bist Du wahrscheinlich weder auf Stufe 1 noch 5, richtig? Dann lies weiter 🙂

Weshalb regelmäßig schreiben so schwer ist und wir es vernachlässigen (Stufe 6)

Der Beruf des Autors fühlt sich schizophren an. Einerseits ist es total gesellschaftsfähig, wenn Autor*innen mit ihren Büchern in die Öffentlichkeit treten. Dieser Glamourfaktor macht aber im Vergleich zum Schreibprozess nur einen winzigen Teil aus.

Das Schreiben an sich ist eine der unglamourösesten Tätigkeiten, die ich mir vorstellen kann. Ich sitze vor meinem Computer, nur ich und meine Gedanken – und das ein oder andere Teufelchen linst mir über die Schulter. Tagein, tagaus.

Schreiben ist meistens einsam.

Als Autor*innen kommunizieren wir meist einseitig und bekommen wenig mit von unseren Leser*innen. Liest jemand meine Texte und verändert dadurch seine Sicht auf die Welt, sein Verhalten, sein Schicksal? Ich habe keine Ahnung, wen ich erreiche und was mein Text bewirkt. Oft frustriert mich das.

Deshalb verstehe ich das Schreiben als Marathon.

Am wichtigsten ist das Durchhalten. Es kommt darauf an, dass ich jeden Tag trainiere, auch wenn es nicht für den großen Lauf ist. Sonst wäre ich am entscheidenden Tag nicht fit genug.

Trainiere Deinen Schreibmuskel: Schreiben ist ein Marathon

Regelmäßiges Schreiben trainiert Deinen Schreibmuskel. Es lehrt Dich neue Schritte, erweitert spielerisch Deine Schreibkompetenz. Weil Du regelmäßig dran bleibst, kannst Du Dir schlechte Tage und schlechte Texte erlauben (wie willst Du sonst wissen, welche Texte gut sind?). Auch sie sind ein Teil Deiner Entwicklung als Autor*in.

Beim regelmäßigen Schreiben schaust Du immer nur auf den nächsten Textabschnitt. Wie der Marathonläufer: ein Schritt nach dem anderen. Wenn Du zu oft auf das Ziel (zum Beispiel ein eigenes Buch) schaust, gibst Du der Überforderung zu viel Raum.

Schreiben als Gewohnheit: So klappt’s mit dem „Writer’s High“ (Stufen 2 bis 4)

Du bist bereit, Dein Verhalten zu ändern? Bereit, aus dem Schreiben eine Gewohnheit zu machen? Vielleicht hast Du auch schon die ersten Schritte eingeleitet.

Regelmäßiges Schreiben belohnt Dich mit Deinem „Writer’s High“. So machst Du Dir das Schreiben zur Gewohnheit.

Fürs regelmäßige Schreiben brauchst Du keine fünf Stunden täglich. Starte langsam mit täglichen Mini-Schreibeinheiten und steigere Dich, wenn Du bereit dafür bist.

Überlege Dir, was Du jeden (Werk-)Tag wann schreiben möchtest. Das kann zum Beispiel heißen, dass du an Ende eines Arbeitstages aufschreibst, welche Erkenntnisse du in der Arbeit mit Deinen Kund*innen gewonnen hast.

Wenn es soweit ist, fange ganz selbstverständlich an, ohne jedes Mal mit Dir selbst zu ringen. Überfordere Dich nicht, sonst verlierst Du schnell die Freude. Das wäre so schade! Schreiben ist zwar Arbeit, aber Du kannst sie genießen. Du wirst belohnt werden mit einem besseren Schreibstil, einzigartigen Texten und sogar Erkenntnissen, die Du mit Deinen Kund*innen teilen kannst.

Regelmäßiges Schreiben belohnt Dich mit den Glücksgefühlen eines “Writer’s High”.

Also: Sei ganz da, schreibe, bleibe im Moment. Kein Infragestellen. Lass es nicht einreißen. Geh an den Schreibtisch, mach‘ Deine Arbeit und keine große Sache draus. Es ist eine Gewohnheit. Jeden Tag aufs Neue.

Das „Writer’s High“ wird kommen. Mit Glücksgefühlen, Schreibflow und allem Drum und Dran. Versprochen!

Bonus-Tipp: Lass Dich nicht vom Haken! Verknüpfe den Start des Schreibens mit einer Gewohnheit, die Du jeden Tag ausführst. Zum Beispiel Zähneputzen, Deinen Morgenkaffee zubereiten, Feierabend machen, abends Deine Gammelhose anziehen.

Regelmäßig schreiben: Wenn Du Dir das Schreiben „für später“ aufhebst (ewige Stufe 2)

Was ist aber, wenn Du in Stufe 2 stecken bleibst und nicht losläufst? Dich ständig darauf „vorbereitest“, das Schreiben zur Gewohnheit zu machen? Die neuen Laufschuhe unbenutzt in der Ecke stehen?

Oft ist genau das, was wir meiden, das, was wir am liebsten tun würden.

Den wenigsten Menschen fehlt die Zeit für Dinge, die sie von ganzem Herzen tun wollen. Deshalb empfehle ich Dir hier keine App, mit der Du Webseiten blocken kannst. (Du weißt selbst, dass soziale Netzwerke endlos Zeit schlucken.)

Regelmäßiges Schreiben kann auch bedeuten: Ich schreibe 15 Minuten am Tag.

Überlege lieber: Warum „darfst“ Du noch nicht schreiben? Fühle in Dich rein. Was hat Vorrang? Was genau säuselt Dir diese kritische, fiese Stimme an Selbstzweifeln zu? Schaffst Du es, sie leiser zu drehen und einer anderen, motivierenden Stimme zu lauschen? Kurz: Löse Deine Schreibblockade.

Du kannst nicht jeden Tag die brillanteste Version Deiner selbst sein. Aber Du stehst sowieso jeden Tag in den Startlöchern. Die Frage ist nur, in welchen.

Jetzt bist Du dran:

In welcher Stufe befindest Du Dich? Und wie machst Du Dir das Schreiben zur Gewohnheit?

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Kommentare

2 Comments

  1. Liebe Anke,

    genau das ist oft mein Problem.
    Schreibe noch nicht so lange und es fällt mir oft noch schwer mir zu sagen “ich schreibe jetzt” und sitze dann vor dem berühmten leeren Blatt Papier.

    Es ist beruhigend zu wissen, dass das dazu gehört und das auch das Schreiben ein Prozess ist.
    Es gelingt mir immer öfter, regelmäßig zu schreiben und dran zu bleiben.

    Dein Blog ist sehr motivierend und ich bin öfter hier, um mich aufzubauen!

    Mach weiter so!

    Herzliche Grüße
    Julia

    Reply
    • Liebe Julia,
      1000 Dank für Dein Kompliment und herzlich willkommen unter den Schreibenden! Ganz wichtig ist, dass Du nett zu Dir bist, wenn Du mal aus dem Takt kommst. Nicht schlimm, passsiert. Morgen schreibst Du wieder.
      Ich freu mich sehr, Dich hier dabei zu wissen 🙂
      Alles Liebe
      Anke

      Reply

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