Von der Beraterin zur Autorin: Mein Coachee Sibylle Kaminski im Interview

09/03/2020 | Sachbuch schreiben, Selbstmarketing

Bücher zu schreiben stellt uns immer wieder vor dieselbe Herausforderung: Tausend Ideen, aber keine Zeit. Oft artet das Ganze aus – in zusätzlichem Stress, umherfliegenden Textnotizen und schlechtem Gewissen, schon wieder keine Zeile geschrieben zu haben.

Beraterin Sibylle Kaminski kennt das Problem. Und trotzdem hat sie es geschafft, ihr Buchprojekt konsequent voranzutreiben.

Nun hat sie Der kleine Job-Coach veröffentlicht. Und als Sibylles ehemalige Schreibmentorin freue ich mich ganz besonders darüber.

Zur Feier des Tages habe ich sie zum Interview eingeladen. Sie berichtet von ihren Erfahrungen beim Schreiben und Veröffentlichen und teilt mit uns Tipps für mehr Gelassenheit in Beruf und Alltag.

Beraterin Sibylle Kaminski hat ihren Ratgeber „Der kleine Job-Coach“ veröffentlicht. Ein Interview übers Schreiben und Schreibcoaching. #indeinenworten

Liebe Sibylle, herzlichen Glückwunsch zu Deinem Buch Der kleine Job-Coach! Es ist schön, dass Du hier bist, und ich bin schon sehr gespannt auf Deine Antworten. Legen wir los.

Themen auszuklammern und Nebenschauplätze wegzulassen ist beim (Buch-)Schreiben unglaublich schwer. Du bist Life- und Business-Coach und Trainerin für Kommunikation, Zeitmanagement und Stressbewältigung. Wie hast Du es bei der Themenvielfalt geschafft, einen „kleinen“ Job-Coach zu schreiben?

Mir war es wichtig, Antworten auf dringende Fragen zu geben. Stress und Gelassenheit, Verlust der eigenen Zeitsouveränität, Konflikte am Arbeitsplatz, Durchsetzung gegenüber Vorgesetzten oder Kolleg*innen sind aktuell dringende Fragen, jedenfalls bei meinen Kund*innen. Ich habe meine Kapitel analog den Anliegen meiner Kund*innen geschrieben.

Die Resonanz auf das Buch bestätigt mich in meiner Herangehensweise. Viele sind müde, einen 200 Seiten Ratgeber zu einem einzigen Thema zu lesen. Pragmatische, alltagspraktische Antworten und eher kurze Kapitel entsprechen heute eher dem Lesebedürfnis.

Der kleine Job-Coach verspricht „mehr Gelassenheit, weniger Konflikte, bessere Durchsetzung in Beruf und Alltag“.

Hast Du zwei, drei Tipps speziell für Coaches, wie sie darin fitter werden können?

„Don’t believe everything you think“ ist ein ganz wunderbarer Ansatz, um das Leben weniger ernst zu nehmen und sich zu entstressen.

Damit verpufft auch so mancher Konflikt. Statt sogleich wütend zu werden, weil jemand anderes etwas (angeblich) Unmögliches zu mir gesagt hat, kann ich erst einmal nachfragen, ob es auch tatsächlich so gemeint war. Missverständnisse sind halt der Normalfall in der Kommunikation, um Paul Watzlawick zu zitieren.

Zudem ist die Nachfrage auch eine gute Schlagfertigkeitstechnik. Damit nehme ich meinem Gegenüber erst einmal den Wind aus den Segeln und lasse einen Vorwurf an mir vorbeiziehen. So übe ich Gelassenheit und Souveränität.

 

Du wolltest dieses Buch schon lange schreiben. Wie bist Du vom Träumen ins Handeln gekommen?

Tatsächlich wegen einer mauen Auftragslage. Ich hatte im Winter wenig zu tun und sortierte meine Arbeitsmaterialien. Dabei kam mir die Idee, diese in Buchform zu gießen, statt sie immer nur an meine Coachingkund*innen auszugeben. Ich brauchte also Langeweile oder einfach mal Zeit, um ein Buch zu schreiben.

 

Wo stecktest Du damals fest, als Du zu mir ins Schreibcoaching gekommen bist? Inwiefern hat sich Dein Schreiben dadurch verändert?

Wir Deutschen haben einen hohen Anspruch ans Schreiben. Der oder die innere Kritiker*in sitzt uns immer im Nacken.

Du hast mir sehr damit geholfen, als Du mir empfahlst, einfach ungefiltert herunterzuschreiben und erst in einem zweiten Durchgang die Kritikerin mitlesen zu lassen. Verrückterweise musste ich kaum nachträglich korrigieren, mein Schreibstil gefiel den Erstleserinnen gut.
Beraterin Sibylle Kaminski hat ihren Ratgeber „Der kleine Job-Coach“ veröffentlicht. Ein Interview übers Schreiben und Schreibcoaching. #indeinenworten

Das Schreiben ist für viele mit der „Angst vor dem leeren Blatt“ besetzt.

Du allerdings hast mir hauptsächlich von der Freude erzählt, die Du beim Schreiben erlebst. Bist Du trotzdem manchmal auf emotionale Achterbahnen mit Hochs, Tiefs und Loopings gestiegen?

Nein, die Angst vor dem leeren Blatt kenne ich nicht. Ich habe schon immer gern geschrieben, mit Tagebuch und Gedichten als Jugendliche angefangen und dann das „Hobby“ zum Beruf gemacht (ich bin gelernte Verlagskauffrau und habe später Germanistik studiert).

Das Wichtigste beim Schreiben ist, den Anspruch auszuschalten und die Hand in Bewegung zu halten. Also schreiben, schreiben, schreiben und nicht bewerten.

 

Ein Verlag hatte Dir bereits angeboten, Dein Manuskript zu veröffentlichen. Warum hast Du Dich trotzdem dafür entschieden, Dein Buch selbst zu verlegen?

Zum einen wäre Der kleine Jobcoach bei dem Verlag erst im Frühjahr 2021 erschienen, das war mir zu lange hin.

Zum anderen gab es die Vorgabe, mehr Text zu verfassen, nahezu die doppelte Menge Zeichen. Dann wäre aus meinem feinen, kleinen Buch jedoch der übliche Ratgeber geworden und damit konnte ich mich nicht anfreunden.

 

Was hat Dich am Selbstverlag am meisten überrascht?

Wie viel Arbeit in Lektorat, Satzerstellung, Korrekturlesen steckt! Die damit verbrachte Zeit fand ich anstrengender als die reine Schreibzeit.

Und dass ich als Selbstverlegerin mehr Einnahmen pro Buch habe, als wenn ich Autorenprovision durch einen Verlag bekommen würde. Aber gut, dafür muss ich mich nun auch ganz allein darum kümmern, wie das Buch bekannt wird und in den Buchhandel kommt.

Einen Ratgeber zu veröffentlichen ist immer auch ein Karriere-Boost.

Inwiefern unterstützt Dich Der kleine Job-Coach bei Deiner Arbeit? Wirst Du als Trainerin anders wahrgenommen?

Ja, ich habe den Eindruck, dass ich tatsächlich in der Wahrnehmung als Beraterin und Trainerin gestiegen bin.

Im Dezember kam das Buch heraus, im Januar wurde ich vermehrt für Workshops oder Coachings angefragt.

Ich fühle mich auch seitdem selbstbewusster, es macht schon Eindruck, jemandem sagen zu können: „Außerdem, ich habe dazu auch etwas in meinem Buch geschrieben.“

 

Zum Schluss: Als Trainerin für Zeitmanagement hast Du den Schreibprozess sicher sehr entspannt gestaltet. Welchen Tipp gibst Du unseren Leser*innen zum Abschied mit?

Na ja, in erster Linie braucht man tatsächlich Zeit zum Schreiben. So nebenbei geht das nicht, oder jedenfalls nicht bei mir, weil ich immer so viele Ideen parallel verfolge. Schreiben ist jedoch Konzentration und Muße zugleich.

Ich habe dem Schreiben eine besondere Wichtigkeit eingeräumt und damit war klar, dass ich es nicht nebenbei betreibe, sondern mir immer wieder größere Zeitfenster dafür einräumen will. Das hieß, das Schreiben zu planen, also mit sich selbst feste Termine zu vereinbaren. Ich habe oft an Wochenenden geschrieben, aber auch frühmorgens oder am späten Nachmittag, also vor oder nach Coachings.

 

Vielen Dank, liebe Sibylle, dass Du Deine Erfahrungen mit uns geteilt hast!

Zum Weiterlesen: Der kleine Job-Coach von Sibylle Kaminski ist erhältlich bei Autorenwelt, BoD und Amazon*.

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