Tschüss Zweifel, hallo Buch: Mein Coachee Britta vor ihrer ersten Veröffentlichung

Sachbuch schreiben, Texte veröffentlichen

Vielleicht ist das Schwierigste am Schreiben der Moment vor der Veröffentlichung. „Ich bin die Einzige auf der Welt, die richtig Schiss davor hat“, denke ich sogar manchmal. Tatsächlich aber kennen wir alle das Gefühl, der eigene Text könnte doch nicht gut genug sein.

Wenn es wirklich nur an der Courage (und nicht an fehlender Qualität liegt) hilft nur eins: Veröffentlichen.

Meine Coachee Britta hat ein fertiges Buch-Manuskript in der Schublade liegen. Da ich es vor einigen Monaten beurteilt und sie im Schreibprozess begleitet habe, weiß ich:

Es.ist.großartig.

Ich hatte beim ersten Lesen sogar das Gefühl, ich hätte eine besondere Autorin entdeckt. Und doch zweifelt sie.

Für mich ein Grund, sie zum Interview einzuladen. Denn den Mut zur Sichtbarkeit kann man trainieren.

Autor*innen kämpfen oft mit Ängsten – vor allem vor der Buch-Veröffentlichung. Im Interview erzählt Britta Düsterhus, wie sie mit Zweifeln umgeht. #indeinenworten

Liebe Britta, vielen Dank, dass Du meine Einladung angenommen hast! Du hast einen spannenden Weg hinter Dir. Bitte erzähl uns ein bisschen, wer Du bist und was Du machst.

Danke für deine Einladung, liebe Anke!

Die Frage, wer ich bin, finde ich ganz schön schwierig zu beantworten. In jedem Fall bin ich ein Mensch, der das Schreiben, das Wandern und aufrichtige Begegnungen mit Menschen liebt. Man findet mich am ehesten draußen in der Natur oder aber an meinem Schreibtisch mit Blick in die Weite. Als freie Autorin und Wegbegleiterin mache ich Menschen Mut, ihren eigenen Weg zu gehen und diesem Weg zu vertrauen.

Die letzten zwölf Monate habe ich damit verbracht, mein Buch Aufbruch ohne Pfefferspray zu schreiben. Es ist mein erstes Buch, und ich erzähle meine persönliche Geschichte über einen einschneidenden Umbruch, den ich vor fünf Jahren erlebt habe.

Ich war gerade frisch verheiratet und arbeitete zu dem Zeitpunkt als Vorstandsassistentin und Abteilungsleiterin. Kurz nach der Hochzeit fand ich mich in einer tiefen Sinnkrise wieder und musste mir schmerzvoll eingestehen, dass dieses Leben überhaupt nicht mir entsprach.

Innerhalb von einem Jahr ließ ich mich scheiden, kündigte meinen Job, gab meine Wohnung auf und verschenkte oder verkaufte fast all meine Sachen. Dann machte mich auf meine ganz persönliche Pilger-Wanderung. Ich schloss die Haustür hinter mir und lief einfach los, ohne ein örtliches Ziel zu haben. Diese Reise veränderte mein Leben. Sanft aber nachhaltig.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen?

Schon als Kind hatte ich eine Leidenschaft für Bücher, Papier und Stifte. Die Schreibmaschine im Büro meiner Eltern faszinierte mich. Mit dem Erwachsenwerden habe ich diese Leidenschaft vergessen, da ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war. Schule, Ausbildung, Studium … .

Erst in meiner Krise fing ich wieder an zu schreiben. Ich fand darin Halt und hatte die Möglichkeit, meine Wahrheit auszudrücken, die ich zu dem Zeitpunkt mit niemand anderem teilen konnte.

Nach der Trennung hatte ich dann plötzlich viel Zeit und Raum für mich. Ich meldete mich zu einem Kurs im biografischen Schreiben bei der Volkshochschule an. Dort wurde ich auf das Konzept der Morgenseiten von Julia Cameron aufmerksam, die ein wesentlicher Bestandteil meiner (Schreib-)Entwicklung wurden und weiterhin sind. Auf den Morgenseiten schreibe ich kurz nach dem Aufwachen ungefiltert und ohne darüber nachzudenken heraus, was gerade in meinem Kopf ist. Es ist wie „geistiges Papierkorb leeren“. Ich nutze die Morgenseiten auch, um zu reflektieren und Entscheidungen zu treffen, denn morgens nach dem Aufwachen sind wir noch gut mit unserem Unterbewusstsein verbunden.

Was hat das Schreiben in Deinem Leben bewirkt und welche Rolle spielt es inzwischen?

Das Schreiben war in der Krisenzeit ein essentieller Anker und wie eine Therapie für mich. Mein Buch zu schreiben hat mir sehr dabei geholfen, meine Vergangenheit zu verarbeiten und Frieden zu schließen.

Auch heute spielt das Schreiben eine wesentliche Rolle in meinem Leben. Das erste, was ich morgens mache, ist: meine Morgenseiten schreiben. Ich freue mich jeden Morgen darauf.

Das Schreiben bietet mir jeden Tag die Möglichkeit, mir selbst bewusster zu werden. Es unterstützt mich dabei, meiner Wahrheit näher zu kommen und mir Fragen zu stellen, die ich sonst nicht zu stellen wage. Es hilft mir dabei,

  • Klarheit zu schaffen,
  • meine Perspektive zu wechseln,
  • mich von meinem Gedankenmüll zu befreien und
  • wieder mehr in Balance zu kommen.

Ich bin mir sicher, dass Füller und Papier mich auch in Zukunft begleiten werden. Vielleicht wird es ein weiteres Buchprojekt geben. Ich kann mir auch gut vorstellen, die Heilsamkeit des Schreibens im Rahmen von Workshops anderen Menschen näher zu bringen. Es gibt viele Ideen und Möglichkeiten.

Doch jetzt entlasse ich erst einmal mein aktuelles Projekt in die Welt. Ein Schritt nach dem anderen … . Der Weg entsteht beim Gehen.

Kannst Du rückblickend Phasen ausmachen, wie Dein Buch entstanden ist?

Die erste herausfordernde Phase war, zu warten, bis ich bereit war, mit dem Schreiben des Buches zu beginnen. Am liebsten hätte ich direkt nach meiner Wanderung losgelegt. Das habe ich auch versucht, aber es wollte einfach nicht klappen. Ich hatte noch viel zu wenig Distanz zu dem Erlebten. Doch ich hatte Angst, dass die Erinnerungen mit der Zeit verblassen würden.

Der nächste Schritt war, mir Mind-Maps mit all den Szenen, Themen und Situationen zu erstellen, die Inhalt meines Buches werden sollten, um mir eine Struktur zu schaffen.

Schwierig wurde es, als ich tatsächlich bereit war, ins Schreiben zu kommen. Zuerst hatte ich mir vorgenommen, chronologisch vorzugehen. Das hat nicht funktioniert. Als ich mir erlaubte, einfach irgendwo anzufangen, ploppte fast täglich ein Thema oder eine Situation hoch, über die ich schreiben konnte. Ich habe das nicht bewusst gesteuert. Die Impulse kamen einfach, und ich habe sie angenommen. So ist jeden Tag ein neues „Puzzleteil“ entstanden. Erst am Ende ergab alles einen Sinn und ich konnte es zu einem „Großen Ganzen“ zusammenfügen. Es war ganz wichtig, diesem Prozess zu vertrauen.

Herausfordernd war für mich auch zu entscheiden, wo das Buch startet und wo es endet. Eigentlich wollte ich nur über die Wanderung schreiben. Während des Schreibens wurde mir klar, dass meine Vorgeschichte wichtig ist, um meinen Aufbruch zu verstehen. Und mein Weg geht ja auch immer noch weiter … .

Ich habe mich von der ersten Seite in Deinen Schreibstil verliebt. Du schreibst sehr präzise, poetisch und trotzdem humorvoll und mit gesundem Menschenverstand. Wie hast Du zu Deinem Schreibstil gefunden?

Dabei haben mir vor allem die Schreibwerkstätten und Schreibkurse geholfen, an denen ich am Anfang teilgenommen habe.

Mein Stil zeichnet sich durch eine einfache, klare Sprache aus, und dass ich Dinge auf den Punkt bringe. Am Anfang habe ich aber versucht, möglichst symbolhaft zu schreiben, weil ich das bei anderen so toll fand.

Erst durch das Feedback der Kursteilnehmer*innen wurde mir klar, dass meine einfache und klare Sprache meine Stärke ist und von den anderen geschätzt wird. Ich musste erst lernen, das anzunehmen.

Und natürlich half es mir zu schreiben, zu schreiben und zu schreiben.

Als Du zu mir gekommen bist, wolltest Du wissen, ob Dein Manuskript etwas „taugt“. Warum und an welcher Stelle war meine Manuskriptbeurteilung wichtig für Dich und Dein Buch?

Nach vier Monaten Arbeit an meinem Manuskript im stillen Kämmerlein und als totaler Neuling auf diesem Gebiet, hatte ich überhaupt kein Gefühl dafür, was ich da produziert hatte. Ich habe eine professionelle Meinung von außen gebraucht, die mir ein zugleich wertschätzendes aber auch ehrliches Feedback gibt.

Deine Beurteilung hat mir dabei geholfen, meine Stärken und Schwächen zu erkennen. Ich konnte danach das Manuskript besser strukturieren und Füllwörter und Floskeln entfernen, die meinen eigenen Schreibstil verwässerten.

Außerdem wurde mir erst durch das Coaching mit Dir bewusst, dass eine wichtige Schlüsselszene fehlte. Das Manuskript fühlte sich danach insgesamt stimmiger und runder an, und ich war wieder voll motiviert und mir im Klaren darüber, was noch zu tun war.

Aber das Wichtigste ist: Deine Manuskriptbeurteilung hat mich im Hinblick auf mein Buchprojekt und meine Fähigkeit zu schreiben gestärkt und viel selbstbewusster gemacht.

Dein Buch ist praktisch fertig. Trotzdem zögerst Du, es zu veröffentlichen. Was hält Dich davon ab?

Der offensichtliche Grund ist: Es gibt noch kein Cover. Da ich mein Buch als Self-Publisherin veröffentliche, bin ich für alles selbst verantwortlich. Das Cover ist ein sehr wichtiges Element des Buches, und ich möchte, das sich für mich alles stimmig anfühlt.

Vielleicht ist das Cover aber auch noch nicht da, weil es noch andere, nicht so offensichtliche Hemmnisse in mir gibt. Je näher der Abschluss des Projektes rückt, desto diffuser wird mein Gefühl, was das Buch angeht. Man könnte es als „Angst vor der eigenen Courage“ beschreiben.

Ich kenne das bereits aus anderen Situationen. Es ist ungefähr so, wie wenn man auf einem 10 Meter-Brett kurz vor dem Absprung steht. Plötzlich fragt man sich, warum man da überhaupt hochgeklettert ist und was die Aktion soll. Das Beste, was man dann machen kann ist, den Verstand auszuschalten und einfach zu springen.

Mein innerer Kritiker stellt mir Fragen wie:

  • Was werden deine Freunde, deine Familie und die Nachbarn über dich denken?
  • Wen interessiert schon deine Geschichte?
  • Findest du ernsthaft, dass deine Texte gut genug sind?

Es geht aber auch in die andere Richtung:

  • Was wird passieren, wenn die Leute dein Buch tatsächlich lesen?
  • Welche Konsequenzen wird das haben, wenn es Zuspruch findet?

In meinem Buch erzähle ich meine persönliche Geschichte, und damit mache ich mich natürlich verletzbar. Es ist meine persönliche Wahrheit, und jemand anderes würde die gleiche Geschichte vermutlich anders erzählen. Das ist auch ein Faktor, über den ich nachdenke.

Schamgefühle spielen ebenso eine Rolle: „Für wen hältst du dich, dass du deine Geschichte veröffentlichen willst? Wirst du jetzt größenwahnsinnig?!“

Ich weiß, dass das Glaubenssätze sind, die mir vorgaukeln, dass ich mich bloß nicht in den Vordergrund drängen sollte. Ich glaube, das ist ein typisch weibliches Phänomen. Ich werde mich davon nicht abhalten lassen und den Sprung wagen. Aber ich werde mir auch die Zeit lassen, die ich dafür brauche. Auch das ist ein Prozess.

Hast Du für unsere Leser*innen ein, zwei Tipps gegen Schreibblockaden?

Ganz am Anfang habe ich vor meinem Laptop gesessen und war nach einer halben Stunde schon so frustriert, dass nichts mehr ging.

Ich hatte die Erwartung, dass ich jeden Tag seitenweise Text produziere, den man direkt so abdrucken kann. Ich wollte den ganzen Tag produktiv sein, da ich mir extra eine Auszeit für das Buch genommen hatte.

Irgendwann habe mir dann erlaubt, jeden Tag „nur“ 30 Minuten zu schreiben, unabhängig davon, was dabei herauskommt. Und so fing es langsam an zu fließen.

Es ist wichtig, sich kleine Schritte zu erlauben und nicht zu viel zu erwarten.

Wenn ich an einer bestimmten Stelle nicht weiterkam, war Abstand das Wichtigste für mich. Pausen einlegen, spazieren gehen, manchmal auch mehrere Tage dazwischen vergehen lassen. Das war nicht einfach. Aber immer wieder Distanz zum Text zu gewinnen, war unheimlich wichtig für den Prozess. In der Zeit des „Nichtschreibens“ hat es in mir weitergearbeitet. Es war nur nicht die Art von Arbeit, die sichtbar ist. Diese Erkenntnis hat mir auch geholfen.

Statt sich gegen die Schreibblockade zu sträuben, hat es mir geholfen, über meine Schreibblockade zu schreiben. Auf diese Weise habe ich Kontakt mit ihr aufgenommen und konnte ihr auf den Grund gehen. Das klingt vielleicht erstmal verrückt, hat bei mir aber funktioniert.

Vielen Dank, liebe Britta, dass Du Deine Erfahrungen mit uns geteilt hast!

 

Zum Weiterlesen: Sobald Brittas Buch erscheint, werde ich es hier verlinken.

Wie geht es Dir, bevor Du einen Deiner Texte veröffentlichst? Teile es mit uns in den Kommentaren. Und lass gerne auch einen Gruß an Britta da 🙂

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Kommentare

4 Comments

  1. Ich freue mich so auf diese Seite gestoßen zu sein. Danke, Anke! 🙂 Das war so schön und beruhigend zu lesen. Durch genau diese Phasen bin ich auch gegangen und jetzt warte ich auf Feedback, weil ich mein Manuskript an Verlage geschickt habe. Puh.
    Immernoch schwanke ich zwischen Mut und Zuversicht und „Nicht gut genug“…
    Egal wie. Ich sehe eine Gelegenheit zum Wachsen in diesem Prozess: Reife Leistung 😉 Mein Blog heißt so. Die Geschichten sind Kapitel aus meinem Leben und im geplanten Buch zusammengefasst, falls sich hier jemand dafür interessiert.
    Ich freue mich immer über Feedback und Kontakt zu ähnlich geprägten Menschen, deshalb hoffe ich, ich schreib das hier nicht an falscher Stelle. Ich kenn mich nicht so aus mit Regeln… Sonst bitte einfach löschen. Kein Problem. Ich schau mich noch etwas um 🙂
    Liebe Grüße
    Lisa

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    • Willkommen, liebe Lisa! Und danke, dass Du Deine Erfahrungen des Bücherschreibens teilst. Darum geht es hier auch – zu zeigen, dass wir nie alleine schreiben.
      Toi toi toi für Dein Manuskript und liebe Grüße
      Anke

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  2. Danke für das schöne Interview!
    Bin schon mega gespannt auf das Buch!

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    • Jaaaaaa! Ich auch 🙂

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